Prozess: Dutroux schläft auf der Anklagebank ein - DER SPIEGEL
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Prozess Dutroux schläft auf der Anklagebank ein

Während ganz Belgien auf den kleinen Gerichtssaal in Arlon blickte, machte der Hauptangeklagte Marc Dutroux ein Nickerchen. Der Kinderschänder und mutmaßliche Mörder von zwei Mädchen zeigte kein Interesse an der Auswahl der Geschworenen, die über sein Schicksal entscheiden werden.
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Arlon - "Herr Dutroux schläft nachts sehr schlecht. Da ist es normal, dass er sich - wenn im Saal keine taktisch wichtigen Dinge passieren - ein wenig erholt", sagte der Anwalt des Mannes, dem die grausamsten Verbrechen in der belgischen Kriminalgeschichte vorgeworfen werden.

Marc Dutroux war bei der Auswahl der zwölf Geschworenen und ihrer Stellvertreter vorübergehend in Schlaf gefallen. Den Kopf auf die Arme gebettet, lag er auf dem Tisch, was den Vorsitzenden Richter Stéphane Goux veranlasste, Dutroux zur Ordnung zu rufen.

Am Mittag war die Wahl der Geschworenen beendet. Das Gericht in der Provinzhauptstadt Arlon ernannte je sechs Männer und sechs Frauen, die am Ende der Beweisaufnahme über Schuld oder Unschuld Dutrouxs und seiner Mitangeklagten entscheiden.

Für Aufregung sorgten neue Spekulationen über einflussreiche Hintermänner. Der Fernsehsender VTM berichtete über einen Brief Dutrouxs, in dem dieser ein kriminelles Netz mit Verbindungen zu Sicherheitsbehörden erwähnt. Einer seiner Anwälte, Ronny Baudewijn, sagte, die neuen Angaben seines Mandanten seien "nicht die beste Entscheidung" gewesen. Dem Fernsehsender zufolge soll der mitangeklagte Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul als Kontaktperson zu den Hintermännern gedient haben. Jan Fermon, Anwalt der Nebenklage, bezeichnete solche Theorien als "Beleidigung der Opfer".

Dutroux wird die Ermordung der 17 Jahre alten An und der 19-jährigen Eefje vorgeworfen, die im August 1995 verschleppt worden waren. Zudem soll er für die Entführung, Freiheitsberaubung und Vergewaltigung der beiden Mädchen verantwortlich sein. Auch die achtjährige Julie, die ebenfalls achtjährige Melissa, die zwölfjährige Sabine und die 14 Jahre alte Laetitia soll Dutroux entführt, eingesperrt und vergewaltigt haben.

Die Morde an den Mädchen streitet Dutroux ab. Zugegeben hat er lediglich, seinen Komplizen Bernard Weinstein umgebracht zu haben. Sabine und Laetitia konnten lebend aus dem Haus Dutrouxs gerettet werden, Julie und Melissa wurden wie An und Eefje tot aufgefunden.

Da die Umstände des Todes der beiden Achtjährigen nie geklärt werden konnten, hat die Staatsanwaltschaft in diesen Fälle keine Klage erhoben - zum Entsetzen von Julies und Melissas Eltern, die dem Prozess daher fernbleiben.

Der Vater der ermordeten An, Paul Marchal, tritt in dem Verfahren als Nebenkläger auf, ebenso die Eltern der ermordeten Eefje.

Rechtsanwalt Jan Fermon, der das befreite Dutroux-Opfer Laetitia vertritt, formulierte die hohen Erwartungen an das Verfahren: "Laetitia erwartet Antworten auf das Wie und das Warum" ihrer Entführung vor fast acht Jahren.

Mit Dutroux sitzen seine Exfrau Michelle Martin, sein Komplize Michel Lelièvre und der Brüsseler Geschäftsmann Michel Nihoul auf der Anklagebank.

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