Prozess: Gsell belastet Jugendfreund schwer - DER SPIEGEL
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Prozess Gsell belastet Jugendfreund schwer

Society-Lady Tatjana Gsell hat in ihrer Aussage vor dem Nürnberger Landgericht ihren Jugendfreund Stefan M. schwer belastet. Gsell war als Zeugin im Berufungsverfahren gegen den ehemaligen Hofer Staatsanwalt geladen. Ihm werden Versicherungsbetrug und Vortäuschung einer Straftat vorgeworfen.
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Nürnberg - M. habe bei dem geplanten Betrug, in dessen Folge ihr Mann Franz Gsell ums Leben kam, eine tragende Rolle gespielt, sagte Tatjana Gsell heute. Sie beschuldigte ihren damals "besten Freund", er habe bei der Übergabe eines vermeintlich gestohlenen Sportwagens 30.000 Euro entgegennehmen und davon 5000 Euro für sich behalten sollen. Sie bedauere, ihn mit in die Sache hineingezogen zu haben.

Tatjana Gsells von regem Medieninteresse begleitete Aussage konnte indes nicht klären, unter welchen Umständen Franz Gsell verletzt wurde. Selbst auf hartnäckige Nachfragen von Staatsanwalt und Verteidigung berief sich die 33-Jährige auf Erinnerungslücken. Sie habe zwar unmittelbar nach der Tat mit ihrem 34-jährigen Jugendfreund über die misslungene Aktion gesprochen und erfahren, dass ihr Ehemann leicht verletzt worden sei. Wer ihm diese Verletzungen zugefügt habe, wisse sie aber nicht mehr. "Das war bestimmt ein Inhalt dieses Gesprächs. Aber es war alles so wirr", sagte sie.

In Anwesenheit ihres jetzigen Lebensgefährten Prinz Ferfried von Hohenzollern beschrieb Tatjana Gsell ihr langjähriges Verhältnis zu dem Hofer Staatsanwalt als eine enge Verbindung. Als Liebesbeziehung habe sie diese jedoch nie betrachtet. "Es war mehr ein gelegentliches Treffen", betonte sie. Auch als sie bereits verheiratet gewesen sei, seien sie und der 34-Jährige noch miteinander intim gewesen. Der Jurist habe sie auch immer wieder bedrängt, sich scheiden zu lassen. "Ich war seine Traumfrau. Er war sehr in mich verliebt", schilderte die in einem weißen Kostüm erschienene Diplom-Kosmetikerin.

Stefan M. war in erster Instanz vom Nürnberger Amtsgericht zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. Dagegen hatte er Rechtsmittel eingelegt. Tatjana Gsell hatte ihr Urteil hingegen akzeptiert. Sie war zu 16 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem musste sie 30.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Sie soll zusammen mit Stefan M. im Januar 2003 den Überfall auf ihren damaligen Ehemann inszeniert haben, um den 100.000 Euro teuren Mercedes unter der Hand verkaufen und die Versicherungssumme kassieren zu können. Franz Gsell starb zwei Monate später an den Folgen der bei dem Überfall erlittenen Verletzungen.

Der Angeklagte verweigerte heute Angaben zur Sache. Zu seiner Person sagte er lediglich, dass er derzeit an seiner Promotion als Jurist arbeite. Er kenne Tatjana Gsell seit 1993. Seit damals hätten sie zweimal über mehrere Monate hinweg eine intime Beziehung gehabt.