Prozess in Neuseeland: Schlagender Beweis - DER SPIEGEL
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Prozess in Neuseeland Schlagender Beweis

Knifflige Entscheidung für einen Richter in Neuseeland: Polizisten haben einen Kebab-Verkäufer verhaftet, der angeblich seine Frau schlug. Quatsch, sagt der Angeklagte - er habe einen türkischen Freudentanz aufgeführt. Um Klarheit zu bekommen, müssen die Ermittler jetzt Volkstanz-Filme angucken.
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Große Integrationsprobleme hatte Allaetin Can bislang nicht in Neuseeland: Seit zehn Jahren lebt der Türke in dem Städtchen Hawera auf der Nordinsel und verkauft Döner in seinem Imbiss Yildiz Kebab. Seine Frau Elmas und zwei Kinder sind vor einem Jahr aus der Türkei nachgezogen.

Nun steht Allaetin vor Gericht, er soll Elmas geschlagen haben. Passanten hatten die Polizei gerufen, berichteten, sie sähen ein Handgemenge, ein Mann schlage eine Frau. Allaetin Can wurde vorübergehend festgenommen.

Vor Gericht erklärte er nun, der Vorfall sei beileibe keine Schlägerei - sondern ein Freudentanz. Die Einnahmen seiner Dönerbude seien an besagtem Tag so gut gewesen, dass er mit seiner Frau und den zwei Kindern den Kolbasti ( SPIEGEL WISSEN Eintrag ) getanzt habe, und zwar erst im Laden, dann auf dem Parkplatz.

Der Lokalzeitung " Taranaki Daily News " erklärte Allaetin Can, seine Frau habe die Fragen der Polizei nicht richtig verstehen und beantworten können: "Sie war nervös und verwirrt als die Polizei eintraf, ihr Englisch ist nicht gut." Elmas Can sagte der Lokalreporterin immerhin: "Mein Gatte ist ein guter Mann."

Der Anwalt Allaetin Cans hat vor Gericht eine DVD mit Aufnahmen des Kolbasti-Volkstanzes vorgelegt. YouTube-Clips von Kolbasti-Tänzern zeigen zum Teil angedeutete Tritte und Armbewegungen, die man unter Umständen mit einer Schlägerei verwechseln könnte.

Der Richter hat den nächsten Verhandlungstag auf den 17. August gelegt. Bis dahin soll die Polizei die DVD mit den Kolbasti-Aufnahmen anschauen und den Vorfall vor diesem Hintergrund erneut bewerten. In diesem Sinne: Bühne frei!

lis

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