Prozess Staatsanwalt fordert lebenslange Haft für Dutroux
Arlon - Staatsanwalt Michel Bourlet sah in seinem Plädoyer alle 32 Punkte der Anklage als erwiesen an. Die Geschworenen sollten deshalb auf fast alle Fragen, die ihnen dazu am Ende des Prozesses vorgelegt würden, mit "Ja" antworten. Dutroux droht damit lebenslange Haft. Seine Ex-Frau Michelle Martin und ein Komplize müssten mit 30 Jahren Gefängnis rechnen, der Mitangeklagte Michel Nihoul mit 20 Jahren.
Bourlet räumte ein, die Wahrheit über die Entführung der beiden Achtjährigen Julie und Mélissa im Juni 1995 nicht zu kennen. Es gebe aber eine Reihe von Hinweisen auf eine Tatbeteiligung des Hauptangeklagten Dutroux.
Dutrouxs Verteidiger haben in ihrem ersten Plädoyer die Vorwürfe der Anklage teilweise zurückgewiesen. Es sei nicht erwiesen, dass Dutroux an besagter Entführung beteiligt gewesen sei, sagte Anwältin Martine Van Praet. Auch trage der 47-Jährige keine Schuld am Tod der Mädchen. Dafür müsse sich vielmehr seine mitangeklagte Exfrau Michelle Martin verantworten. Van Praet betonte nach belgischen Medienberichten, dass Martin die Mädchen nicht versorgt habe, als Dutroux wegen eines anderen Delikts für drei Monate im Gefängnis gewesen sei.
Auch Dutroux selbst bestritt erneut jede Beteiligung an dieser ersten von insgesamt sechs Entführungen, die ihm zur Last gelegt werden. In einem maschinengeschriebenen Brief aus dem Gefängnis, der den belgischen Privatsender AB3 erreichte, beschuldigte Dutroux wiederum ein unbekanntes Netzwerk. Die organisierte Kriminalität sei so tief in den Staatsapparat eingedrungen, dass niemand diese Missstände mehr anzuklagen wage, behauptete Dutroux in seinem Brief.
Am kommenden Dienstag will Dutrouxs Hauptverteidiger Xavier Magnée sein Plädoyer halten und dabei auf die Netzwerktheorie eingehen. Ein Urteil wird Mitte Juni erwartet.