Prozess um Gewaltdrohungen: Zeugenaussagen isolieren Daschner - DER SPIEGEL
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Prozess um Gewaltdrohungen Zeugenaussagen isolieren Daschner

Im Prozess um die Androhung von Gewalt gegen den Metzler-Mörder Magnus Gäfgen haben Zeugen den einstigen Frankfurter Polizeivize Daschner belastet. Niemand habe den von Daschner verlangten "unmittelbaren Zwang" gegen Gäfgen befürwortet. Im Gegenteil: Ein Psychologe sagte, er habe sogar Alternativen vorgeschlagen.
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Frankfurt am Main - Der hessische Polizeipsychologe Stefan Singer berichtete heute vor dem Frankfurter Landgericht, er habe ausdrücklich vor einer Bedrohung Gäfgens gewarnt und außerdem alternative Ermittlungsansätze vorgeschlagen. Der 61 Jahre alte Daschner und der ausführende Vernehmungsbeamte müssen sich seit zwei Wochen wegen schwerer Nötigung verantworten, weil sie dem Jura-Studenten am 1. Oktober 2002 Schmerzen angedroht haben sollen, um das Versteck des entführten Bankierssohns Jakob von Metzler zu erfahren. Der vier Tage zuvor entführte Elfjährige war zu diesem Zeitpunkt längst tot, was die Polizisten aber nicht wissen konnten.

Der Psychologe sagte aus, er habe für den Fall einer Gewaltandrohung falsche Aussagen Gäfgens befürchtet. "Eine Androhung könnte dazu führen, dass er ausflüchtet und was sagt, was für uns schwierig zu überprüfen ist", schilderte der Experte dem Gericht seine Bedenken in der Nacht vor der fraglichen Vernehmung. Gewaltdrohungen würden in ihrer Wirksamkeit ohnehin überschätzt und führten häufig zu Falschaussagen. Zudem machten sie den Beschuldigten für weitere Gespräche unwillig.

Er habe vorgeschlagen, nach Personen zu suchen, die Autorität oder Einfluss auf Gäfgen haben könnten. Jakobs ältere Geschwister Franz und Elena sowie ihr Freund Carlos seien ihm geeignet erschienen, den Entführer zu einer Auseinandersetzung mit seiner Tat und in der Folge zu Aussagen zu bringen. Gäfgen habe die Metzler-Kinder bewundert und ihre Nähe gesucht. Er habe die Geschwister in den Tagen der Entführung als "starke und reife Persönlichkeiten" erlebt, die mit den Belastungen einer solchen freiwilligen Gegenüberstellung fertig geworden wären, sagte der Psychologe. Die Konfrontation des Täters mit den Geschwistern ist nach den Aussagen mehrerer Polizisten in der Nacht zwar vorbereitet, zunächst aber nicht weiterverfolgt worden.

Im Führungsstab der Sonderkommission soll Daschners Anweisung zum "unmittelbaren Zwang" auf Unverständnis und Ablehnung getroffen sein, berichtete erneut ein hochrangiger Polizist als Zeuge. Es habe niemanden gegeben, der sich für die Drohung ausgesprochen habe. "Wir haben einheitlich keine Rechtsgrundlage dafür gesehen."

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