Prozessauftakt: Jackson erscheint in der Farbe der Unschuld - DER SPIEGEL
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Prozessauftakt Jackson erscheint in der Farbe der Unschuld

Es ist sein wohl schwerster Gang: Michael Jackson ist im kalifornischen Santa Maria vor Gericht erschienen, wo er sich ab heute wegen Kindesmissbrauchs verantworten muss. Vor dem Gerichtsgebäude empfingen ihn Hunderte Fans, die Schilder mit Aufschriften wie "Free Michael" oder "100 Prozent unschuldig" präsentierten.
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Santa Maria - Hunderte Fans waren gekommen, um durch die doppelten Absperrungsgitter einen Blick auf ihr Idol zu erhaschen. Um 8.55 Uhr (Ortszeit) war es dann soweit: Jackson erschien, gekleidet in einen strahlend weißen Anzug, vor dem Gerichtsgebäude in der Kleinstadt Santa Maria. Seine Anwälte waren bereits einige Minuten vor dem Popsänger eingetroffen, kamen dann aber wieder aus dem Gerichtsgebäude, um ihren Mandanten abzuholen. Nach einer kurzen Grußgeste - die Fans kreischten - verschwand Jackson binnen einer Minute im Gebäude. Bei der ersten Anhörung im vergangenen Januar war Jackson 20 Minuten zu spät vor dem Richter erschienen - und hatte sich dafür eine deftige Rüge eingefangen.

Heute war der Star also 35 Minuten zu früh - ein Zeichen dafür, dass er den Ernst der Lage erkannt hat. Im Falle einer Verurteilung drohen dem 46-Jährigen bis zu 20 Jahre Haft. In zehn Anklagepunkten werden ihm unzüchtige Handlungen an einem damals 13 Jahre alten krebskranken Jungen, Kindesentführung, versuchte Erpressung und Freiheitsberaubung vorgeworfen. Jackson streitet die Vorwürfe ab.

Wenige Stunden vor Prozessbeginn hatte Jackson-Sprecherin Raymone Bain in einer CBS-Sendung angekündigt, dass der Sänger "sehr geschäftsmäßig und ernst" vor Gericht auftreten werde. Er habe eine "dickes Fell" und trage sich nicht mit Selbstmordabsichten, bekräftigte sie. Zuvor hatte Jackson auf seiner Webseite erneut seine Unschuld beteuert. Die Vorwürfe seien ein Alptraum, sagte er. Er rechne fest mit einem Freispruch, "wenn die Wahrheit ans Licht kommt".

In den kommenden Tagen und Wochen werden zunächst die Geschworenen für den vermutlich sechs Monate dauernden Prozess ausgewählt werden. Allein das dürfte ein schwieriges Verfahren sein: Denn die Jury-Mitglieder müssen unvoreingenommen in der Sache sein. Allerdings kursieren die Missbrauchsvorwürfe gegen den Superstar bereits seit zehn Jahren - damals kam es zwar nicht zu einem Prozess, Jackson bezahlte aber an die Familie eines Jungen eine Millionensumme, um diese Anschuldigungen aus der Welt zu schaffen.

In den nächsten Tagen werden 750 mögliche Juroren vor Richter Rodney Melville treten, der aus der Schar zwölf Geschworene und acht Vertreter auswählen muss. Kameras sind im Gerichtssaal nicht zugelassen. Pressevertreter und Zuschauer, die teilweise per Los ermittelt werden, dürfen aber dem öffentlichen Verfahren beiwohnen.

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