Prozessbeginn: Boris Becker wegen Steuerhinterziehung vor Gericht - DER SPIEGEL
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Prozessbeginn Boris Becker wegen Steuerhinterziehung vor Gericht

Ex-Tennisstar Boris Becker muss sich von heute an vor dem Landgericht München I wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung verantworten. Er war Anfang der Neunziger im Steuerparadies Monaco gemeldet, soll aber hauptsächlich in München gelebt haben.
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München - Die Staatsanwaltschaft wirft dem dreifachen Wimbledonsieger vor, dem deutschen Fiskus rund 1,5 Millionen Euro Steuern vorenthalten zu haben. Die Münchner Steuerfahndung fand in jahrelangen Ermittlungen heraus, dass Becker von 1991 bis 1993 seinen Wohnsitz zwar in dem Steuerparadies Monaco gehabt, aber überwiegend im Münchener Nobelstadtteil Bogenhausen gelebt habe.

Die Anklageschrift gegen Boris Franz Becker - so lautet sein vollständiger Name - umfasst 46 Seiten. Die Akten mit den Ermittlungsergebnissen füllen allein 15 Aktenordner. Darüber hinaus liegen dem Verfahren mehr als 1000 Aktenordner mit Beweismaterial zu Grunde, das auch aus mehreren Hausdurchsuchungen stammt.

Die 4. Strafkammer mit der Vorsitzenden Richterin Huberta Knöringer hat für das Verfahren vorerst drei Verhandlungstage angesetzt. Mit Spannung wird erwartet, ob Becker - falls die Vorwürfe ganz oder teilweise zutreffen - gleich zu Prozessbeginn ein Geständnis ablegen wird. Damit könnte er nach Angaben aus Juristenkreisen ein langwieriges Verfahren vermeiden und auf eine Bewährungsstrafe hoffen. Bei einem Schuldspruch droht dem 34-Jährigen Gefängnis.

Im Vorfeld des Prozesses hatten Spekulationen über einen entsprechenden "Deal" der Verfahrensbeteiligten - nämlich milde Bewährungsstrafe bei Geständnis und Steuernachzahlung - immer wieder für Aufsehen gesorgt. Nach Angaben des Gerichts und der Staatsanwaltschaft gibt es eine solche Verständigung aber nicht. Eine entsprechende Absprache kann jedoch auch nach Prozessbeginn getroffen werden. Sie sind gerade in Wirtschaftsprozessen üblich, um langwierige Beweisaufnahmen abzukürzen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist aber auch bei Absprachen zwingend zu berücksichtigen, dass die Strafe schuldangemessen ist.

Becker soll unbestätigten Informationen zufolge kurz vor Prozessbeginn knapp 1,6 Millionen Euro an das Finanzamt überwiesen haben. Der Wahlmünchner und gebürtige Leimener hat sich bisher kein Wort zu dem Prozess entlocken lassen. Für die Vorbereitung des Verfahrens hat er drei Verteidiger gewonnen: die beiden Münchner Juristen Prof. Klaus Volk und Jörg Weigell sowie Prof. Erich Samson aus Hamburg.

Samson, der an der privaten, von der "Zeit"-Stiftung getragenen Hamburger Hochschule "Bucerius Law School" unterrichtet, wird nach eigenen Angaben aber am Prozess nicht teilnehmen. Volk unterrichtet an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Strafrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Strafprozessrecht. Weigell hat sich unter anderem mit Veröffentlichungen zum internationalen Steuerrecht einen Namen gemacht.

Für Becker ist der Prozess nicht der erste Rückschlag seit dem Ende seiner Profikarriere im Jahre 1999. Im Sommer 2001 meldete Beckers Onlineportal Sportgate Insolvenz an. Auch seine Sportler-Agentur BBM hat ihre Geschäfte eingestellt. "Sportlich einst Weltklasse, geschäftlich nur Kreisklasse", kommentierte das die "Financial Times Deutschland". Zuletzt machte er Schlagzeilen mit angeblichen Verkaufsplänen seiner Villa auf Mallorca, die trotz fünfjähriger Bauarbeiten noch nicht bezugsfertig ist.