Psychologe "Mit einem Baseballschläger wäre die Sache anders ausgegangen"
München - Die Umstände des Attentats in Brannenburg sprächen für eine "krankhafte Störung" des Jugendlichen, meinte der Münchner Psychologe Christoph Kröger am Freitag in einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur. Der 16-Jährige habe nicht nur die Konsequenzen seines Handelns überdacht, sondern auch in Suizidabsicht gehandelt. "Hätte er nur einen Baseball-Schläger zur Verfügung gehabt, wäre sein Verhalten sicherlich ganz anders gewesen", sagte der Psychologe vom Institut für Therapieforschung.
Nachahmeffekte und der Zugang zu Waffen sind nach Krögers Ansicht die große Gefahr bei Konflikten. Jeder Jugendliche wolle seine Probleme lösen und greife dabei auf ihm verfügbare Mittel zurück, erklärte er. "Durch die Medienvermittlung von Gewalttaten mit Waffen lernt der Jugendliche die Möglichkeit kennen, so zu reagieren." Dann liege es am sozialen Umfeld, wie das Konfliktverhalten umgesetzt werde.
Bei Gewalttaten im schulischen Umfeld wisse man, dass auffällige Schüler zu höherer Aggression und dem Konsum von Suchtmitteln wie Alkohol, Zigaretten oder illegalen Drogen neigen, sagte Kröger. Die Hemmschwelle für Gewalttaten werde aber meist durch Alkohol heruntergesetzt. "Bei Haschisch oder Marihuana trifft dies nicht zu", sagte der Psychologe. Dem 16-Jährigen war am Tag vor der Tat Cannabis-Genuss nachgewiesen worden.