Quarantäne: Todeskampf hinter Doppelschleusen - DER SPIEGEL
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Quarantäne Todeskampf hinter Doppelschleusen

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Würzburg - Die Tarnung ist schon fast wieder verdächtig: Nicht die Spur eines Hinweises lässt erahnen, dass hinter der weiß lackierten Flügeltür im dritten Stock des Krankenhaus-Altbaus Ärzte seit Tagen um das Leben einer mit Lassa-Fieber infizierten jungen Frau kämpfen. Selbst das Schild "Intensivstation" hat die Leitung der Missionsärztlichen Klinik vorsorglich abschrauben lassen. Das verrät ein weißer Fleck neben der Tür.

Die Station selber gleicht derweil einem Hochsicherheitstrakt. Der Zugang ist nur über ein doppeltes Schleusensystem möglich. Die beiden Ärzte und die drei Spezialpfleger treten ihrer Patientin nur in einem Schutz-Anzug gegenüber. Um die Gefahr einer Infektions-Ausbreitung möglichst gering zu halten, haben sich alle fünf zusammen mit ihrer Patientin in Quarantäne begeben müssen. Zu dem Rund-um-die Uhr-Aufenthalt, der noch tagelang dauern kann, hätten sich die Team-Mitglieder freiwillig gemeldet, betont ein Kliniksprecher.

In dem Krankenhaus geht - sieht man von den TV-Aufnahme-Wagen vor der Zentralpforte ab - der Klinikalltag ungestört weiter. "Wir sind voll belegt, es gibt keinen Grund, das zu ändern", betont der Chefarzt der Tropenmedizinischen Abteilung, Professor Klaus Fleischer. Weder für Pfleger noch für Patienten gebe es Grund zur Sorge - zumal das Virus hauptsächlich über Kot, Urin oder Blut der infizierten Patienten übertragen werde. Und Exkremente der Patientin würden mehrfach desinfiziert, bevor sie in die öffentliche Kanalisation kommen.

Zur Einrichtung der Quarantäne-Station wurde eigens eine konventionelle Intensivstation geräumt, die sonst bis zu zehn Intensivpatienten aufnehmen kann, berichtet Professor Fleischer. Der Quarantäne-Trakt liegt in einem abgelegenen älteren Gebäudeteil. Zur Behandlung der 23-Jährigen stehe ein eigener medizinischer Geräte-Park zur Verfügung. Angesichts der sich verschlechternden Nierenfunktion halte man selbst eine eigene Dialysestation zur Blutreinigung bereit.

Das Klinikpersonal reagiert gelassen auf den Lassa-Fieber-Fall. "Ich habe da überhaupt keine Sorge, dass uns eine Gefahr droht", meint ein Pfleger. Für die betroffene Patientin sei die Erkrankung furchtbar. "Für uns ist die Frage eines Ansteckungsrisikos aber überhaupt kein Thema." Unversehens zum Stadtgespräch wurde die Nachricht von der "Patientin mit dem Todesvirus" in Würzburg selbst. Für Taxifahrerin Vera Rotschkar ist denn auch klar: "Ich bin zwar kein ängstlicher Typ, aber ich wüsste nicht, was ich tun würde, wenn ich Kurierpost in die Klinik bringen müsste".

Klaus Tscharnke