Klüger werden mit: Rachel Simmons
SPIEGEL: In Ihrem Buch »Meine beste Feindin« beschreiben Sie die versteckten Aggressionen von Mädchen. Waren Sie selbst ein Opfer?
Simmons: Ja. Als Kind trug ich eine Brille, Zöpfe, und ich lispelte. Ich erinnere mich an viele Schikanen meiner Klassenkameradinnen, an leere Flure und Parkplätze, auf denen ich immer allein stand.
SPIEGEL: Auf welche Weise machen sich Mädchen das Leben zur Hölle?
Simmons: Sie verleumden, streuen Gerüchte. Meist setzen sie die Freundschaft selbst als Waffe ein: Wenn du mir das nicht gibst, spiele ich nicht mehr mit dir. Keine dieser indirekten Verhaltensweisen sind neu, aber das Schlimme ist, dass sie von unserer Gesellschaft nicht als Aggressionen bezeichnet werden. Es heißt: Mädchen sind eben so, oder ihr Verhalten wird als vorübergehende Phase angesehen. Dabei sind die Folgen oft gravierend: Depressionen, Essstörungen, Selbstmordgedanken.
SPIEGEL: Wie haben Sie für Ihr Buch recherchiert?
Simmons: Ich habe etwa 300 Mädchen im Alter zwischen 8 und 14 Jahren in ihren Klassenzimmern aufgesucht und gefragt, auf welche Weise sie, im Unterschied zu Jungen, gemein zu anderen sind. Anfangs wurde gekichert. Als sie kapierten, dass es mir nicht darum ging, ihre Bosheiten zu beenden, erzählten sie mir ihre Geschichten. Zunächst nur die Dinge, die sie beobachtet oder selbst erfahren haben, am Ende auch ihre eigenen Fiesheiten.
SPIEGEL: Hat man Sie schon als Verräterin beschimpft?
Simmons: Natürlich, das hat keine Feministin versäumt. Aber wer mein Buch liest, wird sehen, dass ich weder Jungs verkläre noch Mädchen verurteile. Ich konstatiere, was sich die Mädchen untereinander antun, und mache damit deutlich, dass versteckte Feindseligkeiten keineswegs besser sind als offene Gewalt.