Rainier III. Vom Leben und Sterben eines Märchenprinzen
Monaco - Die Sonne war gerade aufgegangen über dem glitzernden Mittelmeer, da stellten die Ärzte den Tod des Fürsten fest. Der Palast gab später den Todeszeitpunkt mit 6.35 Uhr an. Sein Sohn, Kronprinz Albert, sei an seiner Seite gewesen, hieß es. Die Ärzte hätten ihn kurz vor 6 Uhr unterrichtet, dass der Vater im Sterben liege. Das kam nicht überraschend: Seit rund einem Monat wurde der Schwerkranke in dem Hospital behandelt. Bereits in der vergangenen Woche hatte Albert die Regentschaft über das Fürstentum übernommen.
Die beiden monegassischen Fernsehsender unterbrachen nach der Todesnachricht ihr Programm und sendeten Rückblicke auf Rainiers Leben. "Heute fühlt sich jeder von uns als Waise", sagte Staatsminister Patrick Leclercq. Rainier habe mit seiner 56 Jahre währenden Regentschaft das Fürstentum geprägt. Sein Lebenswerk verdiene tiefen Respekt.
Familienbilder: Fürst Rainier von Monaco
Rainier galt als "Märchenprinz der Riviera". Seine Traumhochzeit mit der amerikanischen Schauspielerin Grace Kelly 1956, deren tragischer Unfalltod 1982 sowie das muntere Liebesleben der Töchter Caroline und Stéphanie füllten jahrzehntelang die Klatschspalten. Doch der grau melierte Grimaldi-Fürst bezeichnete sich selbst ganz nüchtern als "Aufsichtsratsvorsitzenden" des "Unternehmens Monaco".
Mehr als ein halbes Jahrhundert lang regierte Rainier III. das Fürstentum an der Côte d'Azur, das kleiner ist als der Central Park in New York. Damit war er der am längsten amtierende Monarch Europas. Im Alter von 26 Jahren bestieg Rainier im Mai 1949 den Thron, nachdem sein Großvater Louis II. abgedankt war. Der junge Monarch war für seine Aufgabe in Schulen und Universitäten der Schweiz, Englands und Frankreichs ausgebildet worden. Im Krieg hatte er an der Seite der Franzosen gegen die deutschen Besatzer gekämpft.
Geschickt bemühte sich der 33. Fürst von Monaco, seinen eng mit Frankreich verbundenen Mini-Staat auf eine feste wirtschaftliche Grundlage zu stellen. Rainier siedelte Unternehmen der Chemie-, Kosmetik- und Pharmabranche an, baute ein Kultur- und Kongresszentrum und schob den Tourismus an. Während das Glücksspiel nach dem Zweiten Weltkrieg noch 70 Prozent der Staatseinnahmen ausmachte, waren es zuletzt weniger als vier Prozent. Rainier vergrößerte sein Fürstentum auch, unter anderem durch neue Deiche.
Glanz und Glamour brachten der griechische Reeder Aristoteles Onassis und vor allem Grace Kelly nach Monte Carlo. Der Jet-Set traf sich über Jahrzehnte hinweg im Casino, und die großzügigen Steuervorteile lockten zahlreiche Prominente und Sportgrößen an, darunter Boris Becker und Michael Schumacher.
Doch machte der zweifelhafte Ruf des Finanzplatzes Monaco dem Fürstentum zu schaffen. Frankreich drohte 2000 damit, die Beziehungen zu überdenken. Rainier lenkte ein und verschärfte den Kampf gegen die Geldwäsche. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) führte das Fürstentum auf einer Schwarzen Liste der Länder, die zu Steuerflucht ermutigen und sich nicht kooperativ verhalten.
Am 14. September 1982 ereilte Rainier ein schwerer Schicksalsschlag. Seine Frau kam bei einem Autounfall ums Leben. "Sie war immer da und bereit, etwas für mich zu tun, wenn ich es nicht konnte", sagte der Fürst: "Wir waren ein Team, und das Team gibt es nicht mehr." Trotz posthumen Gerüchten über Affären von Gracia Patricia oder ihre angebliche Trunksucht führte das Traumpaar eine skandalfreie Ehe.
Dafür machten ihre Töchter reichlich Schlagzeilen. Stéphanie versuchte sich im Musikgeschäft und heiratete 1985 ihren ehemaligen Leibwächter Daniel Ducruet. Die Ehe ging schon im Jahr darauf in die Brüche, nachdem Ducruet beim Liebesspiel mit einer belgischen Stripperin an einem Swimmingpool gefilmt worden war, und wurde wahrscheinlich auf Druck Rainiers gelöst. Später stürzte Stéphanie sich in eine Affäre mit dem Schweizer Zirkusdirektor Franco Knie und gab 2003 dem zehn Jahre jüngeren portugiesischen Zirkusartisten Adans Lopez Peres das Jawort. Die geschiedene und verwitwete Caroline heiratete 1999 Ernst August Prinz von Hannover, dessen Eskapaden das Haus Grimaldi im Gespräch hielten.
Mit Rainiers Gesundheit ging es seit einer Bypass-Operation 1994 bergab. Der Fürst übertrug Erbprinz Albert immer mehr Aufgaben, wollte den Junggesellen vor einer Thronbesteigung aber zunächst verheiratet sehen. Doch von Heiratsplänen Alberts ist nichts bekannt.
In aller Stille änderte das 18-köpfige Parlament deshalb 2002 die Verfassung. Nunmehr können auch Alberts Schwestern oder deren Kinder den Thron besteigen, falls der neue Monarch kinderlos stirbt. Sonst wäre Monaco in einem solchen Fall an Frankreich gefallen.
Im Februar 2000 wurde Rainier an der Lunge operiert, es war der dritte Eingriff innerhalb von zwei Monaten. Kurz vor seinem 79. Geburtstag musste der Fürst im Mai 2003 erneut ins Krankenhaus, wegen eines "allgemeinen Erschöpfungszustands" nach mehreren Bronchitis-Erkrankungen. Im Dezember 2003 zwang ihn eine Grippe zu einem Klinikaufenthalt, im Januar 2004 ein erneuter Erschöpfungszustand, und im Februar letzten Jahres waren es Herzprobleme. Wegen einer Lungeninfektion wurde er noch einmal im Herbst 2004 und zuletzt am 7. März in die Herz-Lungen-Klinik seines Fürstentums eingeliefert.