Rasenpflege: In den Gärten der Leser
Sie säen, mähen, düngen, wässern, vertikutieren: SPIEGEL-ONLINE-Leser haben ein inniges Verhältnis zu ihrem Rasen. Die Pflegemethoden sind unterschiedlich. Die Ergebnisse auch. Sehen Sie selbst.
Das Thema Rasen bewegt, so viel ist sicher. Noch nie habe ich so viele Lesermails bekommen wie nach meinem Artikel über meine Rasenprobleme und das Vertikutieren. Vielen Dank an all die Leute, die mit mir Erfahrungen, Leid und Know-how geteilt haben.
Nach dem Studium der Zuschriften bin ich überzeugt: Wenn es eine Deutsche Rasen Partei gäbe, der Einzug in den Bundestag wäre ihr sicher. Es gäbe in ihr Flügel wie bei den Grünen: Realos (Unkraut, Moos und kahle Stellen sind halt unvermeidlich) und Fundis (keine Abstriche, der perfekte Rasen ist nur eine Frage des Willens und Einsatzes). Und vielleicht noch ein paar Sonderlinge, die je nach persönlicher Façon für mehr Kunstrasen oder naturbelassene Wiesen werben würden.
Eine Partei also, in der sich jeder Rasen-Besitzer wiederfinden kann.
So wie die Leser, die sich in meinem Text wiederfanden, weil sie offensichtlich genauso frustriert sind wie ich. Einer schrieb, beim Anblick der Bilder habe er gedacht, ich sei heimlich in seinen Garten eingestiegen und habe dort fotografiert.
Es gab Leser, die mir zu Kunstrasen rieten. Vergessen Sie es! Wenn ich in den Urlaub fliegen will, tue ich das ja auch nicht am Flugsimulator.
Es gab Leser, die für komplette Kapitulation plädierten: Lass den Rasen machen, was er will - und schau ihm dabei mit einem Kaltgetränk in der Hand entspannt zu. Vergessen Sie es! Dann müsste ich ja auf den wunderbaren Geruch frisch gemähten Grases verzichten. Und aufs Barfußlaufen. Weil es nur eine Frage der Zeit wäre, bis sich die Disteln wieder ausbreiten würden.
Wie wird er denn nun schön, der Rasen?
Wer sich erhoffte, dass ich nun mit einem Best-of der Lesertipps den Weg zum perfekten Rasen aufzeigen kann, den muss ich leider enttäuschen. Zu unterschiedlich waren die Ratschläge und die Rasenflächen. Aber ich glaube, ein paar wesentliche Dinge herausgefiltert zu haben. In der Rasenpflege gibt es offenbar ein paar grundlegende Überzeugungen, die sich praktischerweise beliebig kombinieren lassen.
Gießen
Wasser, Element des Lebens, klar, braucht jede Pflanze irgendwie. Aber während manche Leser auf den Regen vertrauen, gießen andere ihren Rasen mehrmals wöchentlich. Oder sogar täglich. Stellvertretend steht dieses Leserzitat: "Der Rasen braucht Wasser. Viel Wasser."
Mag sein. Aber ich kann mich nur schwer mit dem Gedanken anfreunden, wertvolles Trinkwasser zum Rasengießen zu benutzen. Das erscheint mir verschwenderisch. Umso mehr kommt mir rückblickend die Idee wie ein Geistesblitz vor, vier große Regentonnen aufzustellen. Mit 1200 Liter Wasser in petto lässt sich mein Rasen problemlos wässern, wenn es tatsächlich mal notwendig sein sollte.
Mähen
Gras abschneiden kann doch eigentlich nicht so schwierig sein, oder? Denkste! Wer falsch mäht, macht den Rasen kaputt, habe ich gelernt: "Allerorten sieht man die Ergebnisse der stets gleichen Fehler; im Bemühen, englischen Rasen auszubilden, wird der Rasen regelmäßig wöchentlich rasiert, also extrem kurz gemäht. Das jedoch schwächt die Graspflanzen!", schrieb ein Leser. Insgesamt bestand Einigkeit, den Rasen nicht kürzer als drei, besser vier Zentimeter zu mähen.
Aber wie oft? Meine Faustregel, abgeleitet aus Lesertipps: Mindestens einmal wöchentlich, besser noch öfter. Aber wer hat dafür schon die Zeit? Ich bin ja noch kein Rentner. Ein Leser beschrieb den Vorteil eines Mähroboters: "Das war meine beste Investition der letzten Jahre. Und das, obwohl ich wie Sie gerne den Rasen gemäht habe. Aber ich musste feststellen, dem Rasenroboter bei seiner Arbeit zuzusehen, ist noch meditativer als den Rasen selbst zu mähen." Mit dieser Empfindung stand er nicht allein da. Dank Roboter lasse sich die Verwandlung der Grünfläche in einen englischen Rasen ganz entspannt verfolgen, schrieb ein weiterer Leser: "Das lässt sich beliebig mit Rotwein, Eiscreme oder Flaschenbier kombinieren."
Rasenpflege: In den Gärten der Leser
Düngen
Wie falsch ich lag. Moos ist nicht Teil des Problems, sondern der Lösung. Wenn Moos wächst, leidet der Rasen unter Nährstoffmangel. Und dagegen hilft Dünger. "Ich fühle mit Ihnen und Ihrem Rasen", schrieb mir ein Leser. "Dabei ist es ganz einfach! Düngen!!!" Ein anderer Gartenfreund schrieb: "Ich dünge jetzt, was das Zeug hält." Aber womit? Es gibt Frühjahrsdünger, Herbstdünger, Anti-Unkraut-Dünger. Sie enthalten unter anderem Stickstoff, Phosphor, Kali. Bei manchen ist zusätzlich Unkrautvernichter beigemischt. Ich werde einen Teufel tun und eine Empfehlung abgeben. Nachher bin ich noch für einen überdüngten oder abgestorbenen Rasen verantwortlich.
Bleibt die Frage der Häufigkeit. Die Leser sind sich uneins. Manche düngen einmal pro Gartensaison, andere fünfmal. Düngen soll für den Rasen so gut sein, dass man sich manch andere Pflege schenken könne, hieß es in einem Tipp: "Kein Vertikutieren, kein Lüften, kein Wundermittel. Ein guter Dünger, Streuwagen und das regelmäßige Wässern haben es gebracht."
Mir kam dazu ein Gedanke, den ein Leser perfekt formulierte: "Und jetzt kommt der Nachteil: Man muss ständig mähen, weil der Rasen wie blöde wächst."
Vertikutieren
Das wohl kontroverseste Thema. Manche Leser halten es für schädlich, weil es den Rasen zerfetze. Andere plädieren für Handarbeit: "Im Frühjahr vertikutieren, aber von Hand, nicht mit so einer Brutalo-Maschine! Ihre Fotos zeigen ein Schlachtfeld, da ist alles kaputt!"
Andere halten vertikutieren (längs, quer und diagonal über den Rasen) mindestens zweimal im Jahr für angemessen. Bei mir wird sich die Häufigkeit vermutlich danach richten, wie oft der Nachbar mir seinen Vertikutierer ausleiht.
Gießen, mähen, düngen, vertikutieren - für viele Leser macht es die perfekt auf den eigenen Garten zugeschnittene Mischung. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Rasenpflege ist ein zeitintensives Hobby.
Und nicht jeder will sich diese Zeit nehmen. So wie der Leser, der schrieb: "Sollen sich die anderen mit Vertikutieren, Düngen und Gießen abplagen. Ich genieße derweil mein Feierabendbierchen."
Wenn man es recht bedenkt, ist da schon was dran.
Und wie sieht Ihr Rasen aus? Schreiben Sie an benjamin.schulz@spiegel.de
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Als Kind stellte er im heimischen Keller Holzschwerter in Massenproduktion her. Heute prüft er mit der Wasserwaage, ob der Haussegen schief hängt. SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Benjamin Schulz ist Bastler aus Leidenschaft und Notwendigkeit. Er hat wenig Erfahrung und keine Fachkenntnis, dafür fehlt ihm oft das passende Werkzeug.Im Blog "Gesägt, getan" schreibt er über seine Basteleien und den mühsamen Weg zur Heimwerker-Erleuchtung.
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