Rasende Fluten In Sachsen steigt das Wasser weiter
Dresden/Passau - Mehrere Tote, zehntausende Evakuierungen und unüberschaubare Millionenschäden: Sachsen wird von einer der verheerendsten Hochwasserkatastrophen seiner Geschichte heimgesucht. Die Jahrhundertflut verwandelte Flüsse und Bäche im Erzgebirge in reißende Ströme, in denen bis zu neun Menschen starben. Man befürchte das Schlimmste, erklärte das sächsische Innenministerium am Dienstag. Mehrere Ortschaften waren von der Außenwelt abgeschnitten.
Tausende Helfer von Feuerwehren, Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz, Polizei und Bundeswehr kämpften in den Krisengebieten gegen die Wassermassen und retteten Menschen aus den gefährdeten Regionen. Die Behörden sprachen von bis zu 30.000 Evakuierungen. In Sachsen wurden am Dienstagabend noch sieben Menschen vermisst. Allein in Schlottwitz riss eine Flutwelle drei Menschen mit sich, darunter ein Kind. Zuvor war bei Müglitztal südlich von Dresden ein 71-jähriger Mann tot aus den Fluten geborgen worden. Wenig Hoffnungen gab es auch für einen Feuerwehrmann, der im selben Ort vom Strom mitgerissen worden war. Bereits am Montag war in Dresden eine 68-jährige Frau ums Leben gekommen.
Die Behörden lösten Katastrophenalarm in 14 Landkreisen und Städten aus. Teile Dresdens versanken in den Fluten der Elbe. Die Wassermassen drangen auch in die Semperoper, den Zwinger und den Landtag ein. Stromversorgung und Telefonverbindungen fielen massenweise aus. Allein in Chemnitz und Dresden funktionierten rund 100.000 Telefonanschlüsse und mehrere Handy-Netze nicht mehr. Auch der Bahnverkehr wurde großflächig lahm gelegt. Mehrere Autobahnen mussten wegen Überflutung gesperrt werden.
In der Frauenkirche im sächsischen Grimma begann am Abend die Bundeswehr trotz starker Strömung, mit schweren Booten 50 Menschen zu befreien, die vor den Fluten in das Gotteshaus geflüchtet waren. Auch in der Grimmaer Altstadt, die nach Angaben des Landratsamtes unter einem "reißenden Strom" stand, warteten 150 Anwohner auf Hilfe. Die Behörden forderten Hubschrauber an, um die Menschen aus den gefährdeten Gebäuden zu evakuieren. In Eilenburg weigerten sich einige der 30.000 Einwohner, ihre Häuser zu verlassen, obwohl eine Flutwelle des Flusses Mulde drohte.
Nach Angaben des Innenministeriums gab es auch Zwangsevakuierungen. Die Gebäude würden gesichert, um Plünderungen zu verhindern. Meteorologen warnten vor weiteren großen Regenmengen in den sächsischen Hochwassergebieten. Das für die katastrophalen Überschwemmungen verantwortliche Regengebiet ziehe langsamer als erwartet ab. Am Abend lag der Pegel der Elbe bei über sieben Metern - für Mittwoch werden bis zu acht Meter erwartet. Normal ist im Sommer ein Pegelstand von 1,50 bis 2 Meter.
Am Mittwoch bleiben die rund 1900 Schulen in Sachsen geschlossen. "Auf Grund der sich verschärfenden Situation wurde entschieden, dass in ganz Sachsen kein Schulunterricht ist", sagte Wilfried Kühner vom Kultusministerium am Dienstag. Das Ministerium bitte die Eltern um Verständnis, aber die Sicherheit der Kinder habe Vorrang. In den Landkreisen und Städten mit Katastrophenalarm war bereits am Dienstag schulfrei.