Ratzinger-Reise Warum Regensburg lockt
Regensburg - "Hier bin ich wirklich daheim", sagte Benedikt XVI. kurz vor seinem zweiten Deutschlandbesuch über die von den Römern vor rund 2000 Jahren gegründete 130.000-Einwohner-Stadt in der Oberpfalz.
Die Beziehungen des Pontifex zu Regensburg sind vielfältig: Hier lebt Benedikts 82-jähriger Bruder Georg Ratzinger, früher Leiter des weltbekannten Knabenchors der Regensburger Domspatzen. Sein Haus in der verwinkelten Luzengasse in der zum Weltkulturerbe gehörenden Altstadt ist seit der Wahl Benedikts zum Oberhaupt der Katholiken zu einem Wallfahrtsort für Gläubige und Schaulustige geworden. Etwas außerhalb der Stadt liegen die Gräber der Eltern und der Schwester des Papstes.
Benedikt selbst lehrte bis 1977 als Theologieprofessor an der Regensburger Universität, nachdem er Tübingen den Rücken gekehrt hatte, und bevor er zum Erzbischof von München und Freising berufen wurde. Bis zu seiner Wahl zum Papst wirkte er als Honorarprofessor und war regelmäßig in Regensburg.
Er bezeichnete seine Jahre in der am nördlichsten Punkt der Donau gelegenen Stadt einmal als die wahrscheinlich glücklichste Zeit seines Lebens. Auch der Wissenschaftler Joseph Ratzinger erinnerte sich gerne zurück: "Im Übrigen waren die Regensburger Jahre eine Zeit fruchtbarer theologischer Arbeit für mich."
Benedikt XVI. ist der dritte Papst, der Regensburg besucht. Vor knapp tausend Jahren sprach Leo IX. (1002 - 1054) die beiden ehemaligen Bischöfe der Stadt, Wolfgang und Erhard, heilig. Benedikt wurde am Todestag Leos, dem 19. April, zum Papst gewählt. Leos Nachfolger, Viktor II. (1055 - 1057) besuchte Regensburg zu Weihnachten 1056.
Bei seiner Reise zu den wichtigsten Stationen seines Lebens will Benedikt am morgigen Dienstag in Regensburg mit 300.000 Gläubigen einen festlichen Gottesdienst unter freiem Himmel feiern. Am Abend ist nach Begegnungen mit Wissenschaftlern und einer Fahrt im Papamobil durch die Stadt eine Vesper im Dom geplant, der nach Köln zweitgrößten gotischen Kathedrale in Deutschland.
Anschließend stehen private Termine auf dem Programm des Pontifex, darunter ein Treffen mit seinem Bruder Georg und ein Besuch des alten Wohnhauses Benedikts in Pentling, südlich von Regensburg. Außerdem wollen die Brüder am Grab der Eltern und der Schwester beten.
Benedikt wird sich bis Donnerstagmorgen in der Domstadt aufhalten und dann zu seiner letzten Station nach Freising weiterreisen. Dort besuchte er Ende der vierziger Jahre das Priesterseminar. Am Donnerstagmittag fliegt der Papst vom nahe gelegenen Flughafen München zurück nach Rom.
asc/Reuters