Rechtsstreit Raabs geschmacklose Scherze mit "Petra Pussy"
Hamburg - Als sie im Oktober 2001 in einem Mülheimer Einkaufszentrum zur "Miss Rhein-Ruhr" gewählt worden ist, sprach sie die verhängnisvollen Worte: "Mein Name ist Lisa Loch und ich bin 16 Jahre alt." Der Satz entsprach zwar der Wahrheit, wurde jedoch auch auf RTL-"Explosiv" ausgestrahlt und zog damit die Aufmerksamkeit des Witzboldes auf sich: Stefan Raab erhob die Äußerung des Mädchens in seiner Sendung "TV Total" zum "running Gag", scherzte über die Chancen, die man mit dem Namen im Porno-Business habe, und spekulierte: Wahrscheinlich sei Lisa Loch nur ihr Künstlername, in Wirklichkeit heiße sie Petra Pussy.
Wie "Süddeutsche Zeitung" und "Bild" berichten, ist dem Teenager, der bei der Miss-Ehrung noch strahlte, inzwischen das Lachen vergangen. Lisa sei das Opfer des gesammelten Spotts ihrer Schule geworden. "Egal, wo man hinkam, man war Mittelpunkt des Geschehens", wird sie in der "SZ" zitiert. Oft habe das Telefon geklingelt, weil Scherzkekse und Raab-Fans Petra Pussy sprechen wollten.
Richtig schlimm wurde es aber erst, als die Grünen forderten, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken. Raab holte die Loch-Szene aus dem Archiv und setzte noch eins drauf: Er zeigte seinen Zuschauern ein Wahlplakat einer "Lisa-Loch-Partei", auf dem eine Lisa ähnelnde Blondine beim Sex gezeigt wurde. Unterhalb des Paares stand der Spruch "Loch für alle".
Das war zu viel für das Mädchen und ihre Familie: Sie zogen vor Gericht. Beim Landgericht Essen erwirkten sie jetzt eine einstweilige Verfügung, die es Raab verbietet, den Namen Lisa Loch in ehrverletzendem Zusammenhang zu benutzen. Bei Zuwiderhandlung droht ihm ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro.
Bei der für "TV Total" verantwortlichen Produktionsfirma Brainpool reagiert man gelassen: "Wir halten uns selbstverständlich ganz klar an den Beschluss. Wenn sich bei uns jemand meldet und sagt, er möchte es nicht, dann machen wir das auch", sagte Sprecherin Katja Plüm.
Aber auch Strafanzeige stellte die Familie gegen den Moderator - wegen "massivster Demütigungen und Beleidigungen". "Lisa Loch traut sich mittlerweile kaum noch aus dem Haus und ist sehr verunsichert", sagte der Anwalt des Blödel-Opfers, Frank Roeser. "Raab hat massiv auf eine wehrlose Minderjährige eingeschlagen und dem Mädchen bleibenden Schaden zugefügt." Die Anzeige wird derzeit in Essen geprüft. Angesichts der Verbreitung der vorgeworfenen Beleidigung über einen Fernsehsender werde das Verfahren jedoch vermutlich an die für die Ausstrahlung des Senders zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben, so das Gericht.
Überdies muss Raab mit einer Schmerzensgeldforderung rechnen. "Das wird ein erheblicher Betrag sein", zitiert die "SZ" den Anwalt, "weil das ein irreparabler Schaden ist".