Reemtsma-Gattin Die Alpträume bleiben
Hamburg - "Wir haben unsere Sicherheit verloren, und das begleitet uns bis heute", sagte Scheerer, 46, als Zeugin vor dem Hamburger Landgericht im Prozess gegen den mutmaßlichen Entführer Thomas Drach. Sie und ihr Ehemann hätten seit der Tat im März 1996 immer wieder mit Alpträumen zu kämpfen.
Die Psychoanalytikerin Scheerer schilderte vor Gericht, ihr damals 13-jährige Sohn habe unter der Entführung besonders gelitten. Der Junge sei davon ausgegangen, seinen Vater nicht lebend wiederzusehen. "Es tut sehr weh, sich das alles ins Gedächtnis zu rufen", sagte Scheerer. Ein sichtlich erschütterter Reemtsma ließ während der Aussage seine Ehefrau nicht aus den Augen. Drach blickte dagegen scheinbar desinteressiert aus dem Fenster.
Drach steht seit Dezember wegen erpresserischen Menschenraubs vor Gericht. Der 40-Jährige hat gestanden, Reemtsma im März 1996 vor dessen Haus gekidnappt und in ein Kellerverlies bei Bremen verschleppt zu haben. Der Sozialwissenschaftler kam nach 33 Tagen Geiselhaft gegen ein Lösegeld von 30 Millionen Mark frei.
Kontrovers wurde im Gericht über Drachs Haft in Argentinien gestritten. Ein Beamter des Hamburger Landeskriminalamtes schilderte dessen Zelle in Buenos Aires: "So was gibt es in Hamburg nicht." Mit südamerikanischen Verhältnissen verglichen habe der Angeklagte in "Luxushaft" gelebt, sagte der Beamte in einer Verhandlungspause.