Reemtsma Noch immer Alpträume
Hamburg - Auch fünf Jahre nach seiner Entführung habe er Alpträume, und auch sein Familienleben sei weiterhin betroffen, berichtete Reemtsma, der im Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher der Entführung, Thomas Drach, aussagte. Am schlimmsten sei für ihn gewesen, nicht zu wissen, wann und wie der Tod eintreten könnte, berichtete der 48-jährige. "Auf den Tod kann man sich vorbereiten, aber das Leben in dieser Ungewissheit wird zur vorherrschenden Qual." Reemtsma litt unter dem "Ohnmachtsgefühl, Menschen ausgeliefert zu sein, die sich anmaßen, darüber zu entscheiden", wann er zu sterben habe.
Reemtsma erkannte Drach an Hand der Stimme und seines Verhaltens wieder. Der Millionär war nach 33 Tagen in einem Kellerverlies gegen 30 Millionen Mark Lösegeld freigekommen. Reemtsma wiederholte seine Aussage, dass er bei der Entführung brutal geschlagen und gestoßen worden sei. Er bezeichnete Drach als jemanden, der an "Grandiositätsphantasie" leide und die Schuld für Fehler immer bei anderen suche. Drach neige dazu, "Dinge anderen Leuten in die Schuhe zu schieben". In seiner 60 Minuten langen Aussage schilderte Reemtsma auch seine Todesangst im Kellerverlies, wo er mit einer Eisenkette an die Wand gefesselt war. In der Verhandlung wirkte Reemtsma nervös und aufgeregt, Drach dagegen starrte vor sich hin. Reemtsma sprach Drach nicht namentlich an, sondern sprach nur vom Angeklagten.
Der 40-Jährige Drach muss sich seit dem 13. Dezember wegen der Entführung verantworten, er gestand die Tatbeteiligung. Seine Komplizen Wolfgang Koszics und Peter Richter konnten einige Wochen nach der Tat in Spanien gefasst werden und wurden in Hamburg zu zehneinhalb und fünf Jahren Haft verurteilt. Ein Pole, der als "Mann fürs Grobe" galt, wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.