Reemtsma-Prozess Drach gesteht
Hamburg - Drach legte ein Teilgeständis ab: "Ich gebe zu, an der Tat beteiligt gewesen zu sein", sagte der 40-Jährige vor dem Hamburger Landgericht. Danach äußerte er sich nicht weiter zu der Entführung, sondern schilderte umfangreich seine angeblich schlechten Haftbedingungen in Südamerika, wo er zwei Jahre in Auslieferungshaft saß.
Der Kölner ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft der Haupttäter bei dem Verbrechen im März 1996 gewesen. Wegen erpresserischen Menschenraubes drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.
Am Prozessauftakt nahm auch der Millionär Jan Philipp Reemtsma als Nebenkläger teil. Er wirkte nervös und unsicher, suchte aber dennoch den Blickkontakt zu Drach, der etwa drei Meter entfernt saß.
Am Abend des 25. März 1996 hat Drach nach Überzeugung der Anklage mit seinem Komplizen Piotr Laskowski dem Hamburger Millionär Reemtsma auf dessen Grundstück in Hamburg aufgelauert, ihn niedergeschlagen und verschleppt. Für Reemtsma folgten grauenvolle Tage: Ohne Tageslicht saß er 33 Tage angekettet in einem muffigen Keller, ständig in Angst um sein Leben. 30 Millionen Mark zahlte seine Familie, um ihn am 26. April 1996 freizubekommen. Zwei Mitentführer wurden nach wenigen Wochen in Spanien geschnappt. Drach konnte zwei Jahre lang untertauchen, wurde dann aber 1998 in Argentinien gestellt und saß dort zwei Jahre in Auslieferungshaft.
Bislang gab es vier Urteile im Fall Reemtsma. Drachs Bruder Lutz wurde am 20. Dezember 1996 zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er 27.000 Dollar aus dem Lösegeld hatte umtauschen wollen. Als Entführer erhielten Peter Richter und Wolfgang Koszics im Februar 1997 Freiheitsstrafen von fünf und zehneinhalb Jahren. Im März 1999 stellte sich der 32-jährige Pole Piotr Laskowski der Polizei, der dann zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Richter, Koszics und Laskowski hatten Drach als Haupttäter bezeichnet.