Reemtsma-Prozess: Drach jammert - DER SPIEGEL
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Reemtsma-Prozess Drach jammert

Auftakt im Prozess um die Entführung des Hamburger Millionärs Jan Philipp Reemtsma. Der angeklagte Thomas Drach klagte zunächst über die schlechten Haftbedingungen in Argentinien.
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Hamburg - Am ersten Tag der Verhandlung vor dem Hamburger Landgericht jammerte der 40-jährige Kölner Drach über alles Mögliche: schlechte Haftbedingungen, abgehörte Telefongespräche, Ermittlungsmethoden der Fahnder und die Sitzordnung im Gerichtssaal. Aber für den Mann, den er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft niedergeschlagen, gedemütigt und 33 Tage in Todesangst versetzt hatte, fand der Berufsverbrecher zum Prozessauftakt kein Wort der Entschuldigung.

Nur drei Meter trennten Drach und Reemtsma im Gerichtssaal bei ihrer ersten Begegnung, nachdem der Angeklagte sein Opfer am 26. April 1996 bei Hamburg aus dem Auto gestoßen haben soll. Zuerst kam der Entführer: grüner Pullover, graue Anzughose, den Bart abrasiert, blass im Gesicht. Als die Richter schon da waren, erschien auch Reemtsma: dreiteiliger Anzug, neben ihm Anwalt Johann Schwenn. Reemtsma wirkte nervös, setzte sich schnell hin, richtete dann aber den Blick entschlossen auf Drach, während Staatsanwalt Peter Stechmann die Anklage verlas.

"Keine Seife, kein Toilettenpapier, nichts"

Danach brach der Angeklagte sein Schweigen: "Ich gebe zu, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, werde mich aber nicht äußern", sagte er und fing trotzdem an zu klagen: "Illegale Methoden" habe die Staatsanwaltschaft auf der Suche nach ihm angewendet, Beweise seien vernichtet, sein Bruder ohne Beweis verurteilt worden. Nach der Festnahme in Buenos Aires am 28. März 1998 habe er unter schlimmen Haftbedingungen gelitten: Im ersten Gefängnis gab es "keine Toilette, nur drei Löcher im Boden". Dann wurde er verlegt, in eine Einzelzelle: "Keine Seife, kein Toilettenpapier, nichts." Die Zelle sei verkommen gewesen: "Ich habe diese Zelle renoviert, auf eigene Kosten", rief Drach aus.

Reemtsma-Anwalt Schwenn war amüsiert über diese Sicht der Dinge. "Es sind die Kosten des Nebenklägers", sagte er und spielte auf die 30 Millionen Mark Lösegeld an. Wo dieses Geld ist, sagte Drach nicht. Die Zellenrenovierung hätten Freunde bezahlt. Auch die Frage, ob seine attraktive südamerikanische Freundin nicht regelmäßig zu Sextreffen vorbeigekommen sei, beantwortete Drach nicht. Schnell wurde deutlich, worauf Drach hinaus will: Die zwei Jahre Haft in Argentinien sollen nach seinem Willen dreifach angerechnet werden. Das wären dann sechs Jahre, und Drach müsste bei einer Verurteilung zur Höchststrafe von 15 Jahren noch neun absitzen. Schwenn dagegen will eine Anrechnung 1:1 erreichen, damit Drach möglichst lange sitzt. Schließlich habe der Reemtsma-Entführer "außerordentlich komfortabel" im Gefängnis gelebt, sagte Schwenn.