Reinhard Marx wird oberster Katholik in Deutschland - DER SPIEGEL
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Katholikentreffen in Münster Bischöfe wählen Reinhard Marx zu ihrem Vorsitzenden

Reinhard Marx steht künftig an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung wählten die Geistlichen den 60-Jährigen zum Nachfolger von Robert Zollitsch. Marx verfügt über gute Beziehungen in den Vatikan, gilt als macht- und selbstbewusst.
Katholikentreffen in Münster: Bischöfe wählen Reinhard Marx zu ihrem Vorsitzenden
Katholikentreffen in Münster: Bischöfe wählen Reinhard Marx zu ihrem Vorsitzenden

Katholikentreffen in Münster: Bischöfe wählen Reinhard Marx zu ihrem Vorsitzenden

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa
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Münster - Bischöfe und Weihbischöfe aus 27 Diözesen haben entschieden - und den Münchner Kardinal Reinhard Marx zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt. Der 60-Jährige tritt die Nachfolge des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch an, der aus Altersgründen nicht erneut kandidierte.

Marx dankte seinem Vorgänger für dessen sechsjährige Amtszeit. Zollitsch habe "sich nicht unterkriegen lassen". Der Münchner Erzbischof bezeichnete sein neues Amt als "neue große Herausforderung". Er wolle daran mitwirken, die katholische Kirche "zu einer Stimme zu machen, die in diesem Land gehört wird".

Welche konkreten Änderungen er umsetzen will, ließ Marx offen. Er kündigte aber an, den Dialog zu suchen. "Der Vorsitzende der Bischofskonferenz ist nicht der Papst von Deutschland." Das Erzbistum München-Freising gratulierte Marx. "Die Wahl erfüllt uns mit Stolz und Freude", sagte Bistumssprecher Bernhard Kellner. Das Erzbistum werde Marx mit allen Kräften unterstützen.

Marx gehörte zu Favoriten auf das Amt des Vorsitzenden

Marx sagte, die Bischofskonferenz habe "einen offenen und geistlichen Wahlprozess gehabt". Er schaffte es nicht, die in den ersten beiden Wahlgängen notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen. Er wurde laut Zollitsch erst im fünften Wahlgang gewählt, in dem eine einfache Mehrheit ausreichte. Wie viele Stimmen Marx genau bekam, wurde nicht mitgeteilt.

Stimmrecht hatten 63 Bischöfe und Weihbischöfe. Gewählt werden konnten allerdings nur etwa 20 Bischöfe. Einen klaren Favoriten für Zollitschs Nachfolge gab es nicht. Im Vorfeld waren mehrere Namen möglicher Kandidaten kolportiert worden, auch der von Marx.

Sein Wort hat viel Gewicht, die Erzdiözese München und Freising ist ebenso reich wie bedeutend. Der 60-Jährige gilt als einer der profiliertesten Kirchenmänner, nicht nur in Deutschland. Ihm werden gute Beziehungen in den Vatikan nachgesagt. Einigen Kollegen gilt er als zu selbst- und machtbewusst. Marx spricht druckreif, kann aber auch poltern.

Der 60-Jährige hat mit seinem neuen Posten ein zusätzliches Amt, um das er sich kümmern muss. Er verwies selbst darauf, dass er bereits eine Reihe anderer zusätzlicher Aufgaben übernommen habe. So berät er Papst Franziskus bei der Reform der Kurie, leitet den vom Papst neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und auch die Europäische Kommission der Bischofskonferenzen.

"Barocker Mensch, mit Lebensfreude und Melancholie"

Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz wird sich Marx zu manch strittiger Frage äußern müssen, etwa zum Dialog mit der Kirchenbasis oder zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen. Auch die kirchliche Sexualmoral, die die meisten Gläubigen als weltfremd ansehen, dürfte Marx beschäftigen. Über den Umgang mit diesem Befund herrscht unter den Bischöfen Uneinigkeit.

Die kritische Laieninitiative "Wir sind Kirche" forderte von Marx, den angefangenen Dialogprozess mit der Basis fortzusetzen. Man erwarte, "dass die Bischöfe nach der Wahl konsequent sind und ihren Vorsitzenden dann in den nächsten Jahren auch unterstützen", sagte Sprecher Christian Weisner. In der Amtszeit Zollitschs habe es immer wieder gute Ansätze gegeben, die dann aber nicht von allen Bischöfen mitgetragen wurden.

Die Bischofskonferenz ist das Führungsgremium der katholischen Kirche in Deutschland. Sie ist unter anderem für übergreifende Fragen der Seelsorge und internationale Kontakte zuständig. Die Mitglieder treffen sich in der Regel zweimal im Jahr. Ihrem Vorsitzenden kommt eine herausgehobene Rolle zu. Er hat zwar gegenüber seinen Kollegen keine Weisungsbefugnis, agiert aber als eine Art Sprecher und äußert sich zu wichtigen kirchen- oder tagespolitischen Fragen.

Marx kam am 21. September 1953 im Kreis Soest zur Welt. Er studierte katholische Theologie und Philosophie in Paderborn und Paris. Im Juni 1979 wurde er zum Priester geweiht, 1989 erhielt er seinen Doktortitel. Er leitete als Direktor ein Sozialinstitut in Dortmund, ehe er 1996 Professor an der Universität Paderborn wurde. Im selben Jahr wurde er Weihbischof in Paderborn. 2002 wurde Marx mit 48 Jahren Bischof von Trier. Dort blieb er sechs Jahre, ehe er 2008 Erzbischof von München und Freising wurde. Zwei Jahre später nahm ihn Papst Benedikt XVI. ins Kardinalskollegium auf.

Marx sieht die katholische Soziallehre als "Teil der Verkündigung". In der "Süddeutschen Zeitung" bezeichnete er sich im vergangenen Jahr als "barocker Mensch, mit Lebensfreude und Melancholie". Er raucht Zigarren, mag guten Wein und ist Fan von Borussia Dortmund.

ulz/dpa