Rekordsommer: Europa ächzt unter der Hitze - DER SPIEGEL
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Rekordsommer Europa ächzt unter der Hitze

Brütende Hitze von Spanien bis Großbritannien, von Deutschland bis Frankreich. Meteorologen rechnen schon jetzt mit einem Jahrtausendsommer. Und: Es soll noch wärmer werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin/Paris/London - Die extreme Sommerhitze wurde eingen Europäern bereits zum Verhängnis: In Spanien erlagen binnen zwei Tagen zwei Arbeiter einem Hitzschlag. Im französischen Bordeaux starben zwei Senioren - die Ärzte stellten Anzeichen eines Hitzetodes fest. In den Niederlanden starben zwei Menschen bei der traditionellen "4 Daagse"-Wanderung.

Auch in Deutschland haben die Rettungsdienste derzeit viel zu tun. "Es gibt deutlich mehr Einsätze wegen Hitzschlag, Sonnenstich und Herz-Kreislauf-Problemen", sagte Norbert Klöcker vom Malteser Hilfsdienst in Köln. Der Arbeiter-Samariter-Bund sprach von zehn bis 20 Prozent mehr Einsätzen. Neben Senioren und Kindern seien vor allem Menschen betroffen, die im Freien schwer arbeiten. "Viele arbeiten im Urlaub im Garten, überschätzen sich aber, weil sie nicht an die heißen Temperaturen gewöhnt sind", sagte Klöcker.

Schwitzen müssen auch die Briten: London war mit 33 Grad heute wärmer als Rom oder Lissabon. Unter dem ungewöhnlich drückenden Wetter hatten vor allem Pendler zu leiden: In der U-Bahn der britischen Hauptstadt wurden Presseberichten zufolge bis zu 47 Grad gemessen, in den Bussen sogar 52 Grad. In der ältesten Untergrundbahn der Welt sind Klimaanlagen ebenso Fehlanzeige wie in Linienbussen. Die Londoner Nahverkehrsgesellschaft TFL strich einige Bus-Dächer weiß - ohne damit die Hitze deutlich senken zu können. Für morgen erwartet der Wetterdienst Met Office im Südosten Englands neue Rekordtemperaturen von bis zu 39 Grad Celsius im Schatten - eine solche Hitze wurde in Großbritannien bislang noch niemals gemessen. Normal sind in Großbritannien im Juli Durchschnittswerte von 23 Grad.

In Spanien ließ der massive Einsatz von Klimaanlagen den Stromverbrauch auf einen neuen Sommer-Rekord schnellen: Nach Angaben der nationalen Netzbetreibergesellschaft REE kletterte der Verbrauch gestern Nachmittag um genau 13.26 Uhr auf 40.730 Megawatt; dies waren nochmals 4,5 Prozent mehr als beim erst am 11. Juli aufgestellten Rekord. Im Sommer 2005 hatten die Spanier selbst in Spitzenzeiten höchstens 38.980 Megawatt verbraucht. Sowohl im Norden als auch im Süden und im Zentrum Spaniens werden derzeit teils mehr als 40 Grad Celsius gemessen.

Beim viertägigen Wander- und Walkingfestival im niederländischen Nimwegen starben zwei Menschen an den Folgen der Hitze. Mehrere hundert Teilnehmer mussten ärztlich behandelt werden, rund 30 kamen ins Krankenhaus. An dem viertägigen Spektakel, das als größte Wanderveranstaltung der Welt gilt, nahmen am ersten Tag fast 44.000 Menschen teil. Weil auch für den morgigen Mittwoch Temperaturen bis zu 36 Grad erwartet werden, brachen die Veranstalter den Marsch ab.

Es wird schwüler in Deutschland

In Frankreich hatte die Hitze jetzt auch die Hauptstadt Paris im Griff. Bis Donnerstag werden je nach Region Höchstwerte von 36, teils auch 37 bis 39 Grad erwartet. Experten sehen die Gluthitze als Teil des Klimawandels durch die allgemeine Erderwärmung. "Der Klimawandel hat begonnen - es gibt keinen Zweifel, wir stehen am Anfang des Prozesses", sagte der Chef des Labors für dynamische Meteorologie beim Wissenschaftszentrum CNRS, Hervé Le Treut, in Paris der Nachrichtenagentur AFP. Françoise Bénichou vom Wetterdienst Météo France betonte, von den Höchsttemperaturen der tödlichen Gluthitze des Augusts 2003 sei das Land aber noch weit entfernt. Damals waren allein in Frankreich 15.000 meist ältere Menschen gestorben.

Auch die Deutschen werden weiter schwitzen: Morgen und am Donnerstag werden noch einmal Temperaturen weit über 30 Grad Celsius erwartet, sagte ein Sprecher des Wetterdienstes "donnerwetter.de GmbH" heute in Bonn. Zudem wird es schwüler. Der Höhepunkt der Hitzewelle wird vermutlich am Donnerstag erreicht, wenn das Thermometer etwa im Rheintal auf 36 Grad und in Berlin und Hamburg auf 35 Grad klettern kann. Hitzerekorde würden damit allerdings nicht gebrochen.

Auch für die nächsten Wochen prognostizieren die Meteorologen Sonne satt. Die Trockenheit werde im Juli vermutlich anhalten, wobei es Ende des Monats wohl ein wenig kühler wird. "Sollte der August so sonnig weitermachen, wird das ein Jahrtausendsommer", sagte der Sprecher.

jul/AFP/dpa