Nazi-Fund in Bayern: Der Felsen-Hitler
Relief im Fels Hitler in 3D
Rennertshofen - Die Nase ist verwittert, aber Scheitel und Schnurrbart sind gut erhalten. "Man muss schon genau hinschauen", sagt Bürgermeister Ernst Gebert. Doch Zweifel gibt es keine: In Rennertshofen hat Adolf Hitler noch ein Gesicht.
Sein Kopf ist in einen Jurafelsen gemeißelt, hoch über dem Dorf nahe Neuburg an der Donau. Alteingesessene Bürger nennen den Rabenfelsen mit dem geheimnisvollen Relief deshalb heute noch manchmal Hitler-Felsen.
Die Jurafelsen sind das Wahrzeichen der Region zwischen Fränkischer Alb und Naturpark Altmühltal. Vor allem junge Menschen gehen in dem unwegsamen Gelände gerne auf Erkundungstour. Vor fast 80 Jahren war unter ihnen auch ein gewisser Anton Göbel aus Rennertshofen. "Der wollte Bildhauer oder Steinmetz werden", sagt August Färber, der Göbel gut kannte, bis dieser vor wenigen Jahren über hundertjährig starb.
"Dein Kampf, unsere Ehre"
Aus dem Traumberuf wurde nichts, Göbel lernte Bäcker. Die Leidenschaft für die Bildhauerei trieb ihn aber weiter an. 1933, im Jahr der Machtergreifung Hitlers, suchte sich Göbel eine verborgene Spalte im Rabenfelsen aus und meißelte in mühevoller Arbeit das Porträt des Diktators ins Juragestein. Unter das etwa einen halben Meter hohe Relief schrieb er des "Führers" Namen und das Jahr. "Dein Kampf, unsere Ehre", ergänzte er noch. Die Parole war unter Nazis damals geläufig.
War Göbel also ein Nazi? Bürgermeister Gebert glaubt das nicht, er ist seit 1978 im Amt. "Dann hätte er das Relief nicht in einer Felsspalte versteckt, sondern gut sichtbar zur Straße hin angebracht", sagt er. "Vielleicht hatte er auch Angst, die Nazis könnten sein Werk als nicht gut genug ansehen und ihm Schwierigkeiten machen."
Die Arbeit selbst muss dem Bildhauer aus Leidenschaft einiges abverlangt haben. Der Aufstieg und erst recht der "lebensgefährliche Abstieg", so Gebert, fordert selbst geübte Bergsteiger heraus. "Es hat sicher mehrere Tage gedauert, das Relief anzufertigen", sagt der Bürgermeister. August Färber, der Freund des Künstlers, erinnert sich an eine Leiter, die früher noch in die Felsspalte führte. "Das war nicht einfach", sagt er. Er glaubt, dass Göbel die Leiter selbst dort anbrachte, um besser an dem Bild arbeiten zu können.
Pilgerstätte Hitler-Felsen?
Über die Jahre geriet der Felsen-Hitler in Vergessenheit. Und hätte die Bergwacht nicht vor kurzem einen jungen Mann dort oben retten müssen, vielleicht wäre das Relief für immer vergessen worden. Doch den Helfern fiel der Diktator ins Auge, die Ingolstädter Tageszeitung berichtete über die Entdeckung und plötzlich reden sie wieder über ihn, die Bürger, die Politiker. "Bei keiner einzigen Bürgerversammlung kam je die Rede darauf", sagt der Bürgermeister, bis jetzt.
Angst hat er nicht, dass die Rechten jetzt anreisen und aus dem Hitler-Felsen eine Pilgerstätte machen. Er ist nur schwer zu finden und das Bergsteigen ist nicht jedermanns Sache. "Wir sehen im Moment keinen Handlungsbedarf", sagt Gebert. Vernichten will er das Bild daher nicht.
Selbst die Polizei bleibt ruhig. Ein schwindelfreier Beamter bestieg den Hitler-Felsen, nahm das Konterfei in Augenschein und befand, dass alles bleiben kann, wie es ist. Verboten wäre es, verherrlichende Symbole öffentlich zugänglich zu machen. "Für einen Normalsterblichen ist der Weg dorthin extrem schwierig, gefährlich und nur mit Kletterutensilien erreichbar", sagt Ulrich Pöpsel vom Polizeipräsidium Oberbayern Nord. "Das Relief wurde in einer Zeit geschaffen, in der das noch nicht strafbar war." Und wen sollte man dafür auch bestrafen: Der Bildhauer ist längst tot.