Religionsumfrage Die Deutschen glauben wieder
In der Umfrage von TNS Infratest im Auftrag des SPIEGEL bezeichneten 27 Prozent der Westdeutschen ihren Glauben als "sehr wichtig" für ihr Leben. Bei einer Erhebung 1993 lag der Wert bei 24 Prozent, 1986 bei 22 Prozent. Besonders stark ist der Anstieg in Ostdeutschland, wo jetzt 23 Prozent der Befragten ihren Glauben als "sehr wichtig" bewerteten, nach nur 14 Prozent im Jahr 1993.
Die Erhebung fand im Februar statt, ein Sondereffekt durch den Tod des Papstes ist damit ausgeschlossen. Frauen äußerten sich in der aktuellen Umfrage deutlich gläubiger als Männer. "Sehr wichtig" oder "ziemlich wichtig" ist ihr Glaube für 58 Prozent der weiblichen Befragten, aber nur für 44 Prozent der männlichen.
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Massive Ost-West-Unterschiede gibt es beim Kirchgang: 11 Prozent der Westdeutschen, aber nur 3 Prozent der Ostdeutschen gehen nach eigenen Angaben "einmal pro Woche oder öfter" in die Kirche, "nie" sagen im Westen 23 Prozent, im Osten 47 Prozent. Befragt wurden 1000 Deutsche in der Zeit vom 11. bis 23. Februar.
Eine große Mehrheit der Deutschen wünscht sich als Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. einen Papst, der Reformen gegenüber aufgeschlossener ist. In einer Umfrage des Bielefelder Meinungsforschungsinstitutes TNS Emnid für die Nachrichtenagentur ddp bejahten 59 Prozent die Frage, ob der künftige Pontifex reformfreudiger agieren sollte als sein Vorgänger.
Rund ein Drittel der Befragten, nämlich 32 Prozent, sprachen sich hingegen dafür aus, dass der Nachfolger von Johannes Paul II. in dessen Tradition fortfahren solle. Neun Prozent der Befragten machten hierzu keine Angaben.
Der Wunsch nach einem reformorientierten Papst zieht sich laut der Umfrage durch alle Bevölkerungsschichten und Wählergruppen. So gab es etwa nur geringe prozentuale Abweichungen zwischen Männern und Frauen, West- und Ostdeutschen sowie Anhängern der beiden großen Volksparteien.
Auffällig sind allerdings unterschiedliche Aussagen hinsichtlich des Alters der Befragten. So plädierten bei den jüngeren Menschen bis 29 Jahre nur 48 Prozent für einen reformwilligen Papst und immerhin 38 Prozent für einen Nachfolger in der Tradition von Johannes Paul II. In der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen schlägt das Pendel dagegen mit 67 zu 27 Prozent klar für Reformen aus. Bei den über 50-Jährigen wünschen sich 56 Prozent einen reformfreudigeren Papst, 34 Prozent eher nicht. Ferner ergab die Umfrage, dass der Wunsch nach einem reformorientierten Papst mit wachsender Schulbildung zunimmt.
TNS Emnid hatte am 7. April für die Nachrichtenagentur ddp repräsentativ 502 Bundesbürger befragt.