STADTPLANUNG Retter Berlins
Mit einem Auftrag des Berliner Senats beginnt 1968 seine eigentliche Karriere als Architekt: Im Stadtteil Wedding soll Hardt-Waltherr Hämer, Jahrgang 1922, an drei Wohnhäusern untersuchen, ob es billiger ist, Altbauten zu modernisieren, anstatt sie einfach abzureißen und an ihre Stelle einen Neubau zu setzen. Hämer gelingt der Nachweis - und er entwickelt in den folgenden Jahren das Konzept der behutsamen Stadterneuerung, das er in zwölf Grundsätzen formuliert. Danach sollen etwa die Bewohner in die Planungen einbezogen, neue Wohnformen durch die Änderung von Grundrissen ermöglicht werden. Vor gut 25 Jahren rettete Hämer so den Berliner Stadtteil Kreuzberg vor der Zerstörung. Ihm haben es die Berliner zu verdanken, dass die Strukturen der Hauptstadt erhalten blieben. »Solange es steht, steht es. Und so lange muss man versuchen, es zu retten«, sagt er. 2005 überließ Hämer der Universität der Künste Berlin sein Archiv, jetzt ehrt ihn die Universität, an der er studiert und später gelehrt hat, mit einer Ausstellung ("Behutsame Stadterneuerung«, bis 4. Mai). Der 84-Jährige gilt heute als einer der wichtigsten deutschen Architekten der Nachkriegszeit.