Riesen-Disco Ballermann unter Tage
München - Er lebt, arbeitet, und feiert unter der Erde: So zeichnet die erfolgreiche Kino-Trilogie "Matrix" den Menschen der Zukunft. Noch ist diese Vorstellung reine Hollywood-Phantasie, doch der Münchner Unternehmer Dierk Beyer glaubt, dass zumindest die Party von Morgen unterirdisch steigt. "In Städten mit hohen Mieten und wenig freien Flächen ist das mehr als nur eine Alternative", ist Beyer überzeugt.
Zehn Meter unter der Erde: Plan für die unterirdische Disco
Foto: CRAST AG
Direkt unter der Münchner City will er eine zweistöckige über 3000 Quadratmeter große Mega-Disco errichten. Bis zu 5000 Menschen soll der neue Party-Palast in der Nähe des Hauptbahnhofs fassen.
Beyer ist kein Unbekannter im Münchner Nachtleben. Er und seine Kollegen von der Craft AG betreiben mit der "Nachtgalerie" eine der meist besuchten Discos München: 5000 Menschen lockt der Tanztempel mit Alkohol zu Tiefstpreisen und Gogo-Girls jedes Wochenende an. Wegen des bevorstehenden Umbaus des zentralen Busbahnhofs muss das in Hauptbahnhofnähe gelegene Party-Areal allerdings bald weichen.
Deshalb zieht die "Nachtgalerie" für eine Übergangsphase in zwei leerstehende Hallen im Münchner Westen. Doch Gastronom Beyer weiß: "Eine zentrale Lage und gute Verkehrsanbindung ist für eine Großraumdisco beinahe unerlässlich." Deshalb will er nun aus der Not des Abrisses eine Tugend machen und das zukünftige Quartier direkt unter dem neuen Busbahnhof aufschlagen.
Pompöse Großprojekte in der Münchner Szene
Auch Exklusivität spielt bei den Überlegungen eine Rolle. Beyer glaubt, dass eine komplett unterirdische Disco "auf viele Gäste eine große Faszination ausüben könnte". Der Architekt des Projekts, Martin Cotter, schwärmt: "So etwas gibt es bislang nirgendwo in Europa." In Deutschland wäre der Tiefenrausch in jedem Fall einzigartig.
Ein entscheidender Grund, in den Untergrund zu gehen, ist der zunehmende Wettbewerb unter den Münchner Großraumdiscos: Er treibt die Club-Chefs zu immer protzigeren Projekten. So eröffnete in München vor zwei Jahren mit dem "4004" ein vier Millionen Euro teurer, 4000 Quadratmeter großer pompöser Tanzpalast, für dessen Inneneinrichtung vor allem Luxus-Materialen wie Lava-Gestein oder Teak-Holz verwendet wurden.
Gastro-Fürst Wolfgang Nöth, der mit dem bekannten "Kunstpark Ost" die Disco-Kultur bundesweit entscheidend prägte, will derweil mit dem Nachfolgeprojekt "Kunstpark Nord" ein "architektonisches Las Vegas" errichten. Rund 26 Millionen Euro sollen dort unter anderem in den Bau von Bars und Clubs, aber auch Konzerthallen oder Ateliers fließen.
Auch Beyer will deshalb bei der neuen "Nachtgalerie" nicht geizen: Viele Säulen sollen die unterirdischen Hallen stützen. "Dadurch erscheinen die Räume höher, was besonders unter der Erde wichtig ist." Acht Bars sind in Planung. Vier große Ausgänge mit mehreren Treppen sollen gewährleisten, dass sich die Gäste sicher fühlen. "Niemandem darf mulmig zumute sein", sagt Beyer.
Eigentlich sollte die tiefer gelegte Mega-Disco bereits während der Fußballweltmeisterschaft im kommenden Jahr eröffnen - doch zunächst scheiterte der Zentrale Omnibusbahnhof wegen der damals ungesicherten Finanzierung. Jetzt soll die Eröffnungsparty Ende 2007 steigen.