Rosenmontag: VerKOHLT und abgeKOCHt - DER SPIEGEL
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Rosenmontag VerKOHLT und abgeKOCHt

Millionen Karnevalsfreunde haben sich am Montag die Rosenmontagszüge angeschaut. Top-Themen der Motivwagen waren die CDU-Spendenaffäre und BSE.
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Köln/Mainz - Allein in Köln waren schätzungsweise eine Million Zuschauer auf den Beinen, in Düsseldorf dürften es nicht viel weniger gewesen sein, mutmaßte die Polizei. Den 100. Mainzer Rosenmontagszug sahen sich etwa 600.000 Menschen an. Das Wetter spielte sogar mit: Es war zwar kalt, aber meist trocken und sonnig. Überall wurden auf den Motivwagen Politiker und Krisen auf die Schippe genommen.

In Köln ging ein Regen von 140 Tonnen Bonbons auf das dicht gedrängte Narrenvolk nieder, dazu 700.000 Tafeln Schokolade und 220.000 Schachteln Pralinen. In Düsseldorf dienten 15 Tonnen Kamellen und über 100.000 Tüten Gummibärchen als Wurfmunition. In Mainz heizte man sich mit Glühwein ein.

Die Urheber der Motivwagen gewannen selbst Skandalen und Krisen eine heitere Note ab. In Köln befanden sich 30 Persiflage-Wagen im Zug: Zwei bekannte Unionspolitiker verKOHLten den Wähler und KOCHten ihn ab, "Dressmann" Gerhard Schröder deckte mit einer langen Schleppe Arbeitslosigkeit, Rentenreform und Ökosteuer zu, CDU-Chefin Angela Merkel tanzte nach der Peitsche von Dompteur Edmund Stoiber, der FDP-Politiker Jürgen Möllemann schockte als Teletubbie.

BSE-Krise und Schweinemastskandal wurden in Mainz aufs Korn genommen, desgleichen Ökosteuer und "Big Brother". Auf einem der 16 Motivwagen hielt der deutsche Michel Ausschau nach ausländischen Computerspezialisten mit Interesse für eine deutsche Green Card - hinter ihm stand drohend ein Skinhead. Eine marode Lokomotive auf zerbröselnden Schienen stand für die Bahn, eine Schafherde hinter einem blinden Leithammel folgte dem Ruf der deutschen Leitkultur.

Für diese rührten auf einem Wagen in Düsseldorf Helmut Kohl, Roland Koch und Friedrich Merz als Dreimannkapelle die Werbetrommel. Eine Darstellung zeigte Arbeitsminister Walter Riester in einem Sadomaso-Studio beim Genuss von Peitschenhieben als Lohn für seine Rentenreform. Auf einem anderen Wagen zogen Mitarbeiter der Gauck-Behörde Altkanzler Kohl Stasi-Akten aus dem Gesäß.

Aus der Nässe in die Sonne

Rund 10.000 Närrinnen und Narren zogen im Kölner Zug mit, der elf Minuten vor elf bei nasskaltem Wetter seinen Anfang nahm und am Nachmittag noch in den Genuss von Sonnenschein kam. 124 bunt gekleidete Musikkapellen sorgten dafür, dass die Menschenmassen am Wegesrand und die vielen Gruppen in dem närrischen Lindwurm bei Laune und in Bewegung blieben. Vier Stunden dauerte der Zug über die sechs Kilometer; als die Ersten am Endpunkt anlangten, warteten am Anfang der Strecke die Letzten noch auf den Aufbruch.

Einen halben Kilometer länger war der Weg in Mainz, den prächtig uniformierte Angehörige der 23 Mainzer Garden, Pferdewagen, Musikkapellen, Reiter und Fußgruppen zurücklegten. In Düsseldorf waren die 64 Wagen und 79 Fußgruppen und Kapellen schon nach fünf Kilometern am Ziel.

Der Faschingsendspurt begann auch in Bayern. In Nürnberg hatten die jungen Narren am Rosenmontag das Gaudi-Zepter übernommen. Rund 1000 bunt kostümierte Kinder und Jugendliche zogen beim Kinderfaschingszug durch die Frankenmetropole. Höhepunkt des närrischen Treibens in Bayern ist am Faschingsdienstag der traditionelle Tanz der Marktweiber auf dem Münchner Viktualienmarkt.