RTL-Dschungelcamp Auf die Ratte gekommen
Hamburg - Geschmacksprobe für Herzsprung und Schimpf, Nervenprobe für den Zuschauer: In Folge fünf des Dschungel-Nonsens "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" servierte RTL den Kandidaten Kakerlaken. Genauer: Björn Hergen Schimpf steckte sich das Insekt in den Mund, kaute, schluckte, verdaute. Barbara Herzsprung aß einen Rattenschwanz. Gekocht, von gummiartiger Konsistenz - sie nagte ihn ab wie einen Hühnerknochen, hielt sich dabei allerdings die Nase zu.
Als sie einen Känguru-Hoden von der Größe eines Golfballs zerkaute, tat sie es - wegen der zugehaltenen Nase - ebenfalls mit offenem Mund, sodass sich der Zuschauer jederzeit vom ordnungsgemäßen Zersetzungszustand der breiigen Masse überzeugen konnte.
Vor zwei Tagen befand SPIEGEL ONLINE, dass das Treiben im Dschungel unmöglich schlimmer werden könne, nun muss klein beigegeben werden: Natürlich geht's schlimmer! Immerhin zeichnet der Sender RTL verantwortlich für die grüne TV-Hölle, und die Quoten-Angler aus Köln-Junkersdorf wissen schließlich am besten, wie man den Fisch dazu bringt, nach dem Wurm zu schnappen.
Bei der Kakerlaken-Fütterung war's allerdings jammerschade, dass die Camp-Oldies Schimpf und Herzsprung die Maden, Mehlwürmer und den Krokodilfuß - letzteren gekocht - so ganz ohne Toben, Theatralik und Tränen, also ohne zur Schau gestelltes Leid verspeisten. Wissen die denn nicht, warum täglich Millionen Trash-Fans in die Show zappen?
Da lobt sich der Zuschauer Kandidaten wie Sängermemme Ross. Der Zartbesaitete hat bekanntlich sogar Angst vorm eigenen Schatten - ganz abgesehen von den Ratten, die heuer in verdächtig üppiger Population durchs Camp huschen.
Das Schöne: Auf Ross ist Verlass. Als er vor zwei Tagen einen Teich durchschwimmen musste und aus der Höhe Schlangen und Ratten auf ihn hernieder rieselten, durfte man freudig erregt erwarten, dass ihn gleich der Schlag treffen werde. Ross drohte vor Hysterie und Geheul zu hyperventilieren - wäre man als RTL-Konsument nicht völlig abgebrüht, man hätte Mitleid empfunden.
Es bleibt ein Rätsel, weshalb die Zuschauer nicht das dankbare Opfer Ross per Voting zur Kakerlaken-Atzung schickten. Immerhin waren sie zuvor schon zwei Mal voll auf ihre Kosten gekommen, als der Brite - unter Tränen - ins Straußengehege und - unter Tränen - in den Rattentümpel musste.
Hätte der Sänger bei nochmaliger Nominierung die Flucht - unter Tränen - aus dem Camp angetreten? Kann deshalb nicht sein, was nicht sein darf?
Ist aber eigentlich egal. Wenn Frau Herzsprung beim Heuschrecken-Verzehr auch keine Miene verzieht, hat sie doch andere Qualitäten: Eine streunende Ratte, vor der alle Mitinsassen - Ross unter Tränen - quiekend Reißaus genommen hatten, packte sie mit beherztem Griff am Schwänzchen und schleuderte sie in den Busch. Boah, ey.
pad