Greenpeace-Protest: Blockade vor Rügen
Protest gegen Shell Greenpeace blockiert Eisbrecher auf Weg in die Arktis
Rügen - Aus Protest gegen geplante Ölbohrungen in arktischen Gewässern haben Greenpeace-Aktivisten die Fahrt des Eisbrechers "Nordica" in Richtung Arktis gestört. Die Aktion fand vor der Ostseeinsel Rügen statt: Zunächst blockierten die Umweltschützer das von Shell gecharterte Schiff mit vier Schlauchbooten.
Rund eine Stunde gelang es den Aktivisten, den Eisbrecher aufzuhalten, dann durchbrach die "Nordica" die Blockade. Die Umweltschützer hatten erfolglos versucht, den Eisbrecher zu entern und ein Banner anzubringen.
Wenig später behinderten die Aktivisten die Fahrt des Schiffes erneut. Nordöstlich der Insel Fehmarn versuchten sie, in den Weg des Schiffes zu schwimmen. Die Schwimmer näherten sich mit Bojen auf etwa eine Seemeile. Die "Nordica" setzte die Fahrt fort, musste aber mehrfach den Kurs ändern.
Der Eisbrecher ist auf dem Weg in die Arktis, um dort eine Stelle für Testbohrungen vom Eis zu befreien. Unter dem Meeresboden in der Arktis vermuten Experten rund 90 Milliarden Barrel Öl - ein Barrel entspricht 159 Litern. Greenpeace fürchtet um das sensible Ökosystem der Arktis, das durch Bohrunfälle sowie die industrielle Massenförderung gefährdet werde. Das Gebiet dürfe kein "Tummelplatz der Industrie" werden, sagte ein Sprecher.
Die Umweltschützer sehen durch Ölbohrungen in der Arktis ein hohes Risiko für die Natur. Im Falle eines Unfalls sei ein Abpumpen des Öls in der eisigen und schwer zugänglichen Arktis "extrem schwierig", sagte ein Greepeace-Sprecher. Das Öl könne unter das Eis gelangen und Ölsperranlagen könnten durch Eisberge ständig zerrissen werden. Dadurch sei das noch intakte Ökosystem stark gefährdet.
Eine Sprecherin von Shell bestätigte die Greenpeace-Aktionen. Die "Nordica" sei am Vormittag unter dem Schutz der dänischen Küstenwache auf hohe See gelangt und setze ihren Kurs in die Arktis fort. Sie widersprach dem von Greenpeace erweckten Eindruck, Shell sei einer der ersten Konzerne, der in der Arktis nach Öl bohre. "Zehn Prozent der weltweit geförderten Öl- und Gasvorkommen werden von mehreren Unternehmen seit Jahrzehnten in der Arktis gefördert", sagte sie. Mit Blick auf Gefahren durch Bohrunfälle verwies sie auf "die jahrelange technische Erfahrung" von Shell.
Die Nordica war bereits am Dienstag von Helsinki gestartet, jedoch immer wieder an der Weiterfahrt gehindert worden. Bereits in der finnischen Hauptstadt hatten Protestler die "Nordica" kurzzeitig besetzt. Auch in der Nähe des schwedischen Karlskrona gelang es Aktivisten, ihre Banner an Deck anzubringen und die Weiterfahrt um etwa zehn Stunden zu verzögern.