Rumänien: Umweltschäden nach neuem Giftunfall - DER SPIEGEL
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Rumänien Umweltschäden nach neuem Giftunfall

Einen Tag nach dem neuen Giftunfall in einem rumänischen Bergwerk sind am Samstag im Fluss Theiß erhöhte Schwermetall-Werte gemessen worden.
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Bukarest/Budapest/Brüssel - Die Theiß, die auch durch die Ukraine und Ungarn fließt, sei mit Zink, Blei und Eisen belastet worden, teilte das rumänische Umweltministerium mit. Das genaue Ausmaß der Umweltschäden war aber noch unklar. Die Verschmutzung sei offenbar geringer als ursprünglich befürchtet, hieß es.

Auch nach Einschätzung des World Wide Fund For Nature (WWF) ist die jetzige Belastung der Theiß offenbar nicht so schwer wie nach dem Zyanid-Unfall im rumänisch-australischen Goldbergwerk Baia Mare vor fünf Wochen. Damals hatten 100.000 Kubikmeter ausgetretene Giftlauge praktisch den gesamten Fischbestand der Theiß vernichtet. Langfristig könnten die Schwermetalle im Boden jedoch eine Gefahr insbesondere für Kleinlebewesen werden, sagte am Samstag eine Sprecherin des WWF- Aueninstituts in Rastatt. Zudem sei durch das neue Unglück auch der letzte ökologisch wertvolle Abschnitt der Theiß verseucht worden. Dieses rund 150 Kilometer lange Flussstück sei vom Unglück von Baia Mare verschont geblieben.

Rund 22.000 Tonnen schwermetallbelasteter Klärschlamm waren am Freitag nach einem Dammbruch beim nordwestrumänischen Bergwerk Borsa in den Fluss Vasar gelangt, dessen Wasser 50 Kilometer weiter die Theiß erreichen. Die Grenzwerte für Zink, Blei und Eisen seien in den betroffenen Gewässern deutlich überschritten worden, berichteten die rumänischen Behörden. Frühere Angaben, wonach die Zink-Konzentration in der Theiß die Grenzwerte um das fünfzigfache überschritten hätten, wurden als falsch zurückgenommen. Die Zinkwerte lagen um das fünffache über den erlaubten Limits. Die Bleikonzentration habe zuletzt 0,08 Milligramm pro Liter (Grenzwert: 0,05 Milligramm/Liter) und die Eisenkonzentration 1,4 Milligramm/Liter (Grenzwert: 1,0) betragen.

Am Samstag dauerten die Bemühungen an, den Schadstoffausfluss aus dem geborstenen Klärbecken zu stoppen. Dies war mühsam, weil die Zufahrt wegen Hochwassers blockiert war. Umweltminister Romica Tomescu sagte im rumänischen Rundfunk, er sei zuversichtlich, dass das Leck im Deich bis Sonntag vollständig geschlossen werde.

Tomescu, der sich seit Freitagabend am Unglücksort befindet, beklagte, dass Ratschläge seines Ministeriums zur Vorbeugung von Umwelt-Unfällen in der Region zum Teil nicht befolgt worden seien. Diese Maßnahmen habe er nach der Zyanid-Katastrophe in Baia Mare verlangt. Dort war ebenfalls der Deich eines Klärbeckens geborsten. Tomescu forderte Strafen für Umweltsünder in seinem Land. Zudem müsse ein "Umdenken" in Richtung Umweltschutz bei der Industrie einsetzen.