Russland: Stewardess rettet 20 Passagiere - DER SPIEGEL
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Russland Stewardess rettet 20 Passagiere

Rund zwanzig Passagiere haben die Bruchlandung des Flugzeuges in Sibirien dank des beherzten Eingreifens einer Stewardess überlebt. Bei dem Unglück kamen gestern 131 Menschen ums Leben. In Pakistan stürzte unterdessen ebenfalls ein Passagierflugzeug ab - 45 Insassen starben.
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Irkutsk - "Das Flugzeug war schon gelandet, als seine Nase plötzlich auf den Boden krachte", zitierte die russische Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda" die 22-jährige Victoria Silberschtein. "Der Aufprall war so stark, dass die Sicherheitsgurte wie Fäden gerissen sind, die Passagiere sind übereinander gefallen, das Licht ging aus." Mehrere Sekunden lang habe Totenstille geherrscht, sagte die Stewardess. Dann sei Rauch aus dem hinteren Teil der Maschine gedrungen und ein Feuer ausgebrochen. "Die Panik war fürchterlich", sagte sie. "Die Leute haben geschrieen: 'Öffnet die Tür!'"

Sie habe sich dann unter einem Berg von Gepäckstücken und Sitzen freigekämpft, so Silberschtein. Tastend habe sie den Notausgang gefunden. "Die Tür ging auf. Und die, die vor der Explosion flüchten konnten, haben überlebt." Die Stewardess selbst sprang aus drei Metern Höhe von einem der Flügel der Maschine und überlebte fast ohne Kratzer.

Unterdessen stieg die Zahl der Opfer, die beim Absturz eines A310 in Sibirien ums Leben kamen auf 131. Aus den Trümmern des ausgebrannten Passagierflugzeugs seien noch neun Leichen geborgen worden, sagte ein Sprecher des regionalen Zivilschutzes. Zunächst waren die Behörden von 124 Toten ausgegangen.

In den Krankenhäusern von Irkutsk wurden noch 55 Überlebende der Flugzeugkatastrophe mit zum Teil schweren Verletzungen behandelt. Der Passagierjet der russischen Fluggesellschaft Sibir war gestern bei schlechtem Wetter über die nasse Landebahn hinausgeschossen, in eine Reihe von Garagen geprallt und dann in Brand geraten.

Über die Zahl der Deutschen an Bord gibt es noch immer widersprüchliche Angaben. Der russische Transportminister Igor Lewitin sprach am Unglücksort von sechs Deutschen. Dagegen war in Mitteilungen der betroffenen Fluggesellschaft Sibir sowie des Außenministeriums in Moskau von drei Deutschen an Bord die Rede. Das deutsche Generalkonsulat in Nowosibirsk hatte Stunden nach dem Unfall mitgeteilt, im Krankenhaus von Irkutsk liege eine junge Frau aus Stuttgart. Diese befinde sich in einem "stabilen Zustand". Dem Auswärtigen Amt lagen bis heute Morgen zunächst nur sichere Erkenntnisse über zwei verletzte Deutsche vor.

Darüber hinaus soll sich ein Mann aus Deutschland in ärztlicher Behandlung befinden. Bei früheren Unfällen beruhten unterschiedliche Angaben zu Deutschen auf dem Fehler, deutsche Übersiedler aus der ehemaligen Sowjetunion zu den russischen Staatsbürgern zu zählen.

Als Zeichen der Trauer nach dem Flugzeugunglück wurden in Russland die Flaggen auf Halbmast gesetzt, Unterhaltungsprogramme wurden abgesagt.

Die Unglücksursache ist bislang unklar. Die Staatsanwaltschaft in Irkutsk geht von drei möglichen Unfallursachen aus - technische Fehler, Unwetter oder menschliches Versagen. Von den 203 Menschen an Bord sind nach Angaben Lewitins noch sechs vermisst. Im Unglücksflieger saßen auch 16 Kinder, die zum Sommerurlaub an den Baikalsee wollten.

Der Luftfahrtexperte Wladimir Birjukow erklärte, der Flughafen von Irkutsk sei unter Piloten gefürchtet, vor allem weil die Landebahn bei nassem Wetter sehr rutschig sei. Verkehrsminister Lewitin erklärte, die Behörden würden prüfen, ob die Landebahn verlängert werden könne.

Unterdessen sei heute eine weitere russische Maschine auf der Halbinsel Krim in Brand geraten, teilte die Marineführung mit. Dabei seien drei Passagiere leicht verletzt worden. An Bord befand sich auch der Kommandeur der russischen Marine, Admiral Wladimir Masorin. Er konnte das Flugzeug, das der russischen Schwarzmeerflotte gehörte, unverletzt verlassen. Als Auslöser des Triebwerkschadens werde ein Vogelschlag vermutet, berichtet die russische Nachrichtenagentur Interfax.

In Pakistan stürzte am Morgen eine Maschine kurz nach dem Start vom Flughafen Multan ab, sagte ein Flughafenvertreter in Pakistan. Der Polizeichef der zentralpakistanischen Stadt sagte, alle Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.

Die Maschine der staatlichen pakistanischen Fluglinie PIA war zu einem Inlandsflug nach Lahore und Islamabad gestartet. Drei Kilometer vom Flughafen der Stadt Multan entfernt stürzte das Flugzeug vom Typ Fokker F-27 ab und ging in Flammen auf. Unglücksursache sei vermutlich ein technischer Defekt. Den Angaben zufolge befanden sich 41 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder an Bord.

aki/dpa/reuters/AFP/AP

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