Russlands "Superstars": Singend aus dem Knast - DER SPIEGEL
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Russlands "Superstars" Singend aus dem Knast

Singen statt Brummen: Bei Russlands ungewöhnlichstem Gesangswettbewerb haben sich Strafgefangene ihre Freiheit ersungen. Im Finale des Wettbewerbs der "Superstars" hinter Gittern in Moskau wurden sechs Gefängnisinsassen als Sieger noch am Freitagabend amnestiert.
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Moskau - Zwei Frauen und vier Männer wurden sofort nach der Entscheidung freigelassen. "Ich freue mich, dass ich nach Hause darf zu meiner sechsjährigen Tochter", sagte die Gefangene Jelena Maslowa aus der Ural-Stadt Tscheljabinsk.

Die professionell gemachte Musikschau mit insgesamt 23 Häftlingen fand unter starken Sicherheitsvorkehrungen vor handverlesenen Gästen statt. Die Sänger konnten im grellen Scheinwerferlicht auf der Bühne kaum sehen, wie ihre Verwandten ihnen unter Tränen aus dem Publikum zuwinkten.

Von den 800.000 Sträflingen in Russlands überfüllten Gefängnissen und Lagern hatten sich mehr als 800 mit Videos oder Kassetten beim Justizministerium für das Finale beworben. Die Finalisten waren nach verschiedenen Paragrafen von Raub, Betrug, Drogenhandel bis zu Mord verurteilt worden.

Der Vorsitzende der Jury, der kommunistische Kulturpolitiker Nikolai Gubenko, lobte die Professionalität der Sänger. Talent bleibe auch hinter Gittern Talent, sagte er. An Musik boten die Häftlinge ein weites Spektrum von Eigenkompositionen zur Gitarrenbegleitung bis zu Pop und Rap. "Meine Lieder geben die Wirklichkeit wieder", sagte Wladimir Wolschski, der Songs mit Titeln wie "Weiße Nächte im Straflager Perm" geschrieben hat.

Rechtlich hänge die Amnestierung nicht nur von einer schönen Stimme ab, erklärte das Justizministerium. Auch die Sieger hätten je nach Verbrechen die Hälfte oder zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen. Das sei in Russland die Voraussetzung für eine Amnestie.