Rutschiger Silvesterabend Schnee, Regen und viel Glatteis
Offenbach - Immerhin konnten sich die Bürger über einen ruhigen Jahresausklang freuen. Das angekündigte Unwetter mit Schnee, Schneeverwehungen und Glatteis hat jedenfalls den Westen Deutschlands weitgehend verschont. Der Deutsche Wetterdienst konnte die Unwetterwarnung für die betroffenen Teile Nordrhein-Westfalens, Hessens, Baden-Württembergs, von Rheinland-Pfalz und des Saarlands wieder aufheben.
Guten Rutsch: Europäisch Sibirien
Es habe zwar eine Vielzahl von Verkehrunfällen gegeben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums Nordrhein-Westfalens. Aber mit einem geschätzten Schaden von einer halben Million Euro sei die Nacht eigentlich recht glimpflich verlaufen. Die Autofahrer hätten sich gut auf die Witterungsbedingungen eingestellt.
Der Norden hatte indes mit erheblichem Glatteis zu kämpfen. Nach Auskunft des Lagedienstes in Hamburg wurde die Streustufe 1 ausgelöst, so dass nahezu alle verfügbaren Fahrzeuge unterwegs waren, um die Straßen abzustumpfen. Der Erfolg war am Morgen sicht- und fühlbar: Es ging zwar langsam voran, aber die befürchtete Rutschpartie blieb aus. Schwere Unfälle wurden nicht gemeldet.
Im östlichen Teil Niedersachsens und in Hessen bereiteten Eisregen und starke Schneefälle den Autofahrern schon mehr Probleme. Zwischen der hessischen Landesgrenze und dem Umland von Hannover gab es etwa 20 Unfälle, bei denen jedoch niemand ernsthaft verletzt wurde. Im Harz, im Solling und auf der A 2 bei Auetal (Kreis Schaumburg) schafften Lastwagen die Steigungen nicht und blieben liegen.
Glatteisgefahr durch überfrierende Nässe
Hintergrund der Wetterlage sind dem DWD zufolge Ausläufer eines atlantischen Tiefdruckgebietes, die von Frankreich her mit kräftigem Schneefall auf den Westen Deutschlands übergegriffen haben. Später ging bei steigenden Temperaturen der Schnee in Regen über. Örtlich kam es dabei auf dem gefrorenen Boden zu Glatteis.
Dass es in der Silvesternacht noch einmal so kalt wie gestern, steht nach Auskunft der Meteorologen nicht zu befürchten. Bei schwachem bis mäßigem Wind erreichen die Temperaturen im Osten zwischen minus zwei und plus drei Grad., im Westen plus vier bis plus neun Grad.
Am Sonntag lockern die Wolken im Süden sowie zum Erzgebirge hin zeitweise auf, hier bleibt es zumindest ab Mittag trocken. Im übrigen Bundesgebiet halten sich oft dichte Wolken und es regnet. Im Norden weht mäßiger bis frischer Südwestwind. Die Temperaturen steigen auf bis zu fünf Grad, im äußersten Westen sowie in Baden-Württemberg auch auf bis zu sieben Grad.
Gestern noch hatte die Schweiz eisige Temperaturen gemeldet. Im Kanton Neuenburg bei La Brévine wurde in der vergangenen Nacht mit minus 35 Grad Celsius die tiefste Temperatur dieses Winters gemessen, wie die Wetterbehörde MeteoSchweiz mitteilte.
Florenz im Tiefschnee
In Italien sei es teilweise bis zu zehn Grad kälter als normalerweise zu dieser Jahreszeit, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Das italienische Fernsehen sprach von "sibirischem Klima". In Rom starben bei den eisigen Temperaturen zwei Obdachlose.
Noch wesentlich kälter als in Rom ist es derzeit im Norden Italiens. In der Region Venetien wurden in 1300 Metern Höhe Temperaturen von minus 29 Grad gemessen. Im Skiort Cortina d'Ampezzo froren Touristen bei minus 16 Grad. In der toskanischen Metropole Florenz gab es in den vergangenen Tagen so schwere Schneefälle wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Im Norden Spaniens wurden heute in den Regionen Kantabrien und Navarra nach heftigem Schneefall vier Bergpässe gesperrt. Zwölf weitere Pässe waren nach Angaben der Behörden nur mit Schneeketten zu befahren. In den Pyrenäen wurden bis zu minus 19 Grad gemessen.
Wegen Schnees und eisglatter Straßen mussten in Frankreich heute mehrere Autobahnen geschlossen werden. In der Bretagne kam es bei Rennes nach Angaben der Präfektur auf eisglatten Straßen zu Dutzenden Unfällen, bei denen es jedoch nur Blechschäden gab. Bei Le Havre wurde der Verkehr für Lastwagen gesperrt. Stundenlange Verspätungen gab es im TGV-Schnellzugverkehr in Westfrankreich, wo bei Le Mans vier Züge wegen Eisbildung auf den Oberleitungen blockiert waren. Mehr als 1200 Fahrgäste waren betroffen.
Belgische Flughäfen geschlossen
Auch in Belgien haben heftige Schneefälle zu chaotischen Verkehrsverhältnissen geführt. Die Polizei warnte vor gefährlichen Straßenverhältnissen, Autofahrer kamen an einigen Orten nur noch schrittweise voran. Die Regionalflughäfen in Charleroi im Süden des Landes und in Ostende an der Nordseeküste wurden geschlossen.
Viel Schnee auch in Ungarn: Vor allem im Westen des Landes kam es wegen Schneeverwehungen heute zu Verkehrsbehinderungen. Die Autobahn M1, die Budapest mit Wien verbindet, musste gesperrt werden, nachdem bei Györ (120 Kilometer westlich von Budapest) rund 40 Fahrzeuge ineinander gerast waren und Dutzende Menschen Verletzungen erlitten hatten. Mehrere Ortschaften blieben in West- und Südwestungarn von der Außenwelt abgeschnitten, berichtete der Rundfunk. Im Eisenbahn- und Flugverkehr kam es zu Verspätungen.
Starke Schneefälle und -verwehungen verursachten auch im Osten Österreichs ein Verkehrschaos. Aus Niederösterreich wurden zahlreiche Unfälle gemeldet, einige Bundesstraßen mussten gesperrt werden, berichteten österreichische Automobilclubs. Im Südburgenland brach nach Angaben der Nachrichtenagentur APA zeitweilig die Stromversorgung zusammen.