S-Bahn-Überfall Zeugen widersprechen Tatversion des Opfers
Hamburg - Wie Polizeisprecherin Ulrike Sweden SPIEGEL ONLINE sagte, sei noch keine Entscheidung gefallen, ob gegen die junge Frau wegen falscher Anschuldigung oder dem Vortäuschen einer Straftat ermittelt wird. Zwei Zeugen hatten der Version der Frau von einem brutalen Raubüberfall in Teilen widersprochen und die tatverdächtigen Jugendlichen entlastet.
Die angebliche Tat hatte über die Grenzen der Hansestadt hinaus für Empörung gesorgt: Nicht nur die Gewalt und die Beschimpfungen einer wehrlosen Frau durch mehrere Jugendliche, sondern vor allem die Teilnahmslosigkeit der anderen S-Bahn-Passagiere erregten die Gemüter. Als fünf Jugendliche über sie hergefallen seien, sei ihr niemand in dem Zugabteil zu Hilfe gekommen, hatte das 22-jährige vermeintliche Überfallopfer den Polizeibeamten berichtet. Nur eine gehbehinderte ältere Dame habe eingegriffen und sei dabei ebenfalls verletzt worden. Der Schilderung der jungen Frau zufolge trug sich der Vorfall am Abend des 8. März zu.
Wenig später gelang es der Polizei, die mutmaßlichen Gewalttäter festzunehmen. Doch die Jugendlichen bestritten die Tatversion des Opfers. Die Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren sagten Polizeiangaben zufolge aus, dass es im S-Bahnwaggon zu einem Streit mit der Frau gekommen sei. Als die Frau den S-Bahnzug am Hamburger Hauptbahnhof verlassen habe, seien sie ihr gefolgt, hätten ihr in den Nacken geschlagen und Kaffee über ihre Kleidung geschüttet. Sie hätten sie aber in dem voll besetzten Zug weder geschlagen noch ausgeraubt. Die beiden Zeugen bestätigten jetzt diese Aussage.
Nach Auskunft von Sweden hätten sich bislang noch keine weiteren Augenzeugen gemeldet, die die Version des angeblichen Opfers bestätigen könnten. Auch die Überwachungskameras auf dem Bahnsteig hätten den Beamten nicht weitergeholfen, sagte Sweden: "Wir haben die Aufnahmen ausgewertet. Sie sind aber nicht verwertbar."
Roman Heflik