Sachsen: Elbpegel erreichen Höchststände - DER SPIEGEL
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Sachsen Elbpegel erreichen Höchststände

Das Hochwasser an der oberen Elbe hat seinen Höhepunkt erreicht. Von einer Entspannung der Lage kann jedoch keine Rede sein: Nur langsam geht das Wasser zurück, der Druck auf die Deiche bleibt. In Brandenburg steigen die Pegel weiter an.
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Potsdam - Seit gestern sei der Wasserstand zwischen Schöna an der Grenze zu Tschechien und Dresden um ein bis zwei Zentimeter gesunken, teilte die Hochwasserzentrale mit. In Dresden ging das Wasser seit heute Morgen um einen Zentimeter auf 7,48 Meter zurück. Bei der Jahrhundertflut 2002 war hier ein Pegel von 9,40 Meter gemessen worden.

Ganz anders die Situation im Landkreis Torgau-Oschatz: Hier stieg das Wasser seit Mitternacht auf 7,90 Meter - flussabwärts wurde Katastrophenalarm für sieben Gemeinden ausgerufen. Die höchsten Wasserpegel werden erst morgen erwartet. Evakuierungen seien bisher nicht vorgesehen, sagte der Sprecher des Katastrophenschutzstabes, Dieter Ehlert.

Auch die Lage an der brandenburgischen Elbe hat sich verschärft. "Das Wasser steigt wieder an", sagte Erhard Haase, Fachberater des Landkreises Elbe-Elster. Im Landkreis gelte die Alarmstufe vier, Deichläufer seien unterwegs, Sandsäcke würden gefüllt. Ein Überströmen der Deiche sei gleichwohl nicht zu befürchten, sagte Haase. Das Wasser drücke aber auf die etwa 15 Kilometer langen Dämme auf Brandenburger Seite, so der Experte. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk seien im Einsatz.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) besucht am Nachmittag Gohlis bei Riesa. Die knapp 570 Einwohner des Ortes waren durch das Elb-Hochwasser von der Außenwelt abgeschnitten worden. Im Laufe des Tages soll hier eine Straße durchbrochen werden, damit das Wasser abfließen kann. Anschließend werden Soldaten aus dem thüringischen Gera über dem rund elf Meter großen Durchbruch eine Behelfsbrücke aus Stahl errichten, damit die Straße befahren werden kann.

Hunderte Soldaten im Einsatz

Die Bundeswehr war am Vormittag mit rund 300 Mann in Sachsen im Einsatz. Insgesamt stünden 550 Mann zur Verfügung, teilte das Innenministerium mit. Nach Auskunft der Bundeswehr lasse sich deren Anzahl in kürzester Zeit auf rund 1050 aufstocken. Sachsens Polizei werde derzeit von Kräften aus Hessen und Thüringen unterstützt. Im Einsatz waren außerdem Hilfsorganisationen wie das Technische Hilfswerk THW. Das Deutsche Rote Kreuz und die Ostsächsische Sparkasse starteten einen Spendenaufruf für Betroffene des Hochwassers an der Elbe.

Für ausreichenden Hochwasserschutz muss nach Ansicht von Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) der einzelne Bürger auch mit Einschnitten rechnen. "Wenn es nicht zu freiwilligen Lösungen kommt, muss es Eingriffe auch beim privaten Eigentum geben", sagte Milbradt in Dresden. Deiche könnten nur ausgebaut oder verteidigt werden, wenn sie dafür von Hilfskräften auch erreichbar seien.

Unterdessen kam Kritik von Umweltschützern. Den Besserungsschwüren nach dem Hochwasser von 2002 seien keine Taten gefolgt. Verantwortlich sei "eine Mischung aus Ignoranz, Länderegoismen und Provinzpolitik in den Anrainerländern", urteilt die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Nach wie vor setzten die Länder fast nur auf technischen Hochwasserschutz, versuchten die Wassermassen entlang kanalisierter Trassen zu bändigen und erhöhten die Deiche.

Fluss spült Kleinkind davon

In Österreich brach in der Nähe des Ortes Dürnkrut erneut ein aufgeweichter Damm entlang der March. Auf einer Länge von etwa 60 Metern strömte das Wasser durch den Damm, der bereits gestern an anderer Stelle gebrochen war. Weitere Menschen wurden evakuiert.

In St. Georgen in Oberösterreich ertrank ein Kleinkind in dem Hochwasser führenden Fluss Ager. Der 18 Monate alte Junge hatte am Morgen im Garten gespielt, der an den Fluss grenzt, und war plötzlich verschwunden. Die Mutter alarmierte die Rettungskräfte. Erst am Nachmittag entdeckten Suchmannschaften die Leiche des Jungen, die bei einem Wehr angeschwemmt wurde.

In Ungarns Hauptstadt Budapest lag der Pegel heute mit 8,58 Meter nur knapp unter den prognostizierten Höchststand von 8,60 Meter. Zahlreiche Straßen waren bereits überflutet. Die bisherige Rekordmarke in Budapest lag bei 8,48 Meter im Jahr 2002. Landesweit mussten bisher rund 516 Menschen evakuiert worden; 25.000 Einsatzkräfte und Freiwillige waren im Einsatz. 

ala/dpa/AFP