Saddams Informationsminister: "Comical Ali" wird Popstar - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Saddams Informationsminister "Comical Ali" wird Popstar

Der Mann ist Kult. Mohammed Said al-Sahhaf, verschollener Informationsminister des Irak, ist auf bestem Weg, ein Star der westlichen Musikszene zu werden. Seine hanebüchenen Aussagen während des Irak-Kriegs sollen mit Dance-Musik unterlegt und auf CD gepresst werden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - "Das wird ein Riesending", sagte einer der Produzenten des Lieds der britischen Tageszeitung "The Sun". Die Sprüche würden mit den Klängen des Anti-Kriegssongs "19" von Paul Hardcastle aus den achtziger Jahren unterlegt. Zahlreiche Radiostationen und Club-Discjockeys hätten bereits Interesse an dem Song angemeldet, der bisher noch keinen Titel habe. Ab Anfang kommender Woche solle das Lied im Radio zu hören sein und in den Discotheken für volle Tanzflächen sorgen.

Als Sprachrohr Saddam Husseins hatte al-Sahhaf während des Irak-Kriegs zahlreiche Fernsehzuschauer immer wieder in Erstaunen versetzt, als er tagelang vor der internationalen Presse unermüdlich Ereignisse dementierte, die im Fernsehen verfolgt werden konnten. So bestritt er etwa Vorstöße der US-Truppen auf Bagdad, obwohl er sich praktisch in Sichtweite von US-Panzern auf der anderen Seite des Flusses Tigris befand. Die nach seinen Worten Ungläubigen würden abgeschlachtet und begingen Selbstmord, hatte er erklärt, während die irakische Hauptstadt eingenommen wurde. Sein Schicksal ist weiter ungeklärt.

Al-Sahhaf ist bereits seit einiger Zeit ein Liebling der Pop-Kultur. So gibt es mittlerweile T-Shirts und Kaffeetassen mit seinem Konterfei zu kaufen. Entertainer widmen sich ihm ebenso wie das Internet: Auf zahlreichen Websites finden sich Sammlungen von al-Sahhafs Erklärungen, darunter auch jene: "Gott wird ihre Mägen in der Hölle braten" oder "Es gibt keine amerikanischen Ungläubigen in Bagdad", als US-Soldaten nur wenige 100 Meter entfernt waren.

Mehr lesen über