Sahara-Entführung Geiseln angeblich wohlauf
Berlin - Noch am Montag hatte die algerische Zeitung "al-Watan" berichtet, dass sechs der verschleppten Europäer dringend medizinische Hilfe benötigten. Das ARD-Hauptstadtstudio widerspricht jetzt diesem Bericht, alle 14 Geiseln, darunter neun Deutsche, seien den Umständen entsprechend in guter Verfassung. Sie erhielten regelmäßig Lebensmittel und Medikamente.
Die Geiselnehmer der algerischen Islamistengruppe haben nach ARD-Informationen erstmals telefonischen Kontakt mit deutschen Stellen aufgenommen. Sie fordern direkte Verhandlungen mit der deutschen oder malischen Regierung. Darauf wolle sich Berlin aber nicht einlassen, berichtete die ARD am Mittwoch, ohne Quellen zu nennen. Die Bundesregierung setze weiterhin auf einen örtlichen Mittelsmann.
Die malische Regierung soll sich dazu bereit erklärt haben, über Mittelsleute den Entführern Lösegeld zu übergeben. Über deutsche Entwicklungshilfe könnte das Geld wieder nach Mali zurückfließen. Ein deutscher Fahnder sagte gegenüber der Nachrichtenagentur DDP man erwarte jetzt "schnelle Fortschritte zur Lösung des Geiseldramas".
Inzwischen scheint geklärt, wer der Anführer der algerischen Kidnapper ist. Die Zeitung "al- Watan" identifizierte den Mann als Abderrezak Amari, den Vize-Chef der islamistischen Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC).
Die ursprünglich in dem algerischen Teil der Sahara begonnen Geiselnahme dauert inzwischen schon mehr als fünf Monate an. Ursprünglich waren 32 Touristen in Algerien gekidnappt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai von algerischen Soldaten befreit, eine deutsche Geisel starb an den Strapazen, die übrigen neun Deutschen, vier Schweizer und ein Niederländer sollen im Norden Malis gefangen gehalten werden.