Sahara-Geiseln Leichnam von Michaela Spitzer überführt
Hamburg - Der "Münchner Merkur" und die "Augsburger Allgemeine" berichteten, von der Generalbundesanwaltschaft sei eine Obduktion veranlasst worden. Im Rechtsmedizinischen Institut der Universität München solle festgestellt werden, ob Gewalt gegen die 46-jährige Frau angewendet wurde. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.
Die zweifache Mutter war am 28. Juni vermutlich an einem Hitzschlag gestorben und in der algerischen Wüste begraben worden. Die Koordinaten des Grabes seien auf Betreiben ihrer Mitgefangenen von den islamistischen Entführern notiert und nach der Freilassung der anderen Geiseln der Bundesregierung übergeben worden, heißt es in den Berichten.
An der Suche nach dem Grab und der Überführung sollen Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) beteiligt gewesen sein. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts bestätigte am Freitag in Berlin, dass die Leiche exhumiert und nach Deutschland geflogen worden sei. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen. Dem "Münchner Merkur" zufolge brachte eine Lufthansa-Maschine den Sarg mit Spitzer nach München.
"Wir hatten Todesangst"
Die jüngste der Sahara-Geiseln, die 19-jährige Silja Stäheli, hat unterdessen über ihre "178 Tage Haft ohne Gefängnis" berichtet. Die über sechs Monate zwischen Angst und Hoffnung hätten sie "zutiefst aufgewühlt", sagte die Schweizerin der französischen Tageszeitung "Le Parisien". "Ich weiß jetzt, dass man mit sehr wenig leben kann. Eigentlich sind wir zu sehr an den Luxus gewöhnt."
Die angehende Kinderkrankenschwester berichtet über den Beginn der Geiselnahme in der südalgerischen Wüste: "Es war morgens um 5.00 Uhr, als zwei Männer mit Kalaschnikow-Gewehren uns bei Illizi weckten." "Wir hatten Todesangst." Die Entführer hätten sich ihr gegenüber jedoch "immer respektvoll" verhalten. Es seien etwa 30 Männer gewesen, die sich abgewechselt hätten. "Wir hatten einen Hass auf sie", sagte Stäheli, schließlich habe sich jedoch so etwas wie Vertrauen gebildet.
Die Tage der Gefangenschaft seien sehr eintönig gewesen. "Wir haben viel geredet und Ratespiele erfunden. Manchmal schafften wir es auch, über diese absurde Situation zu lachen." Zu essen habe es immer dasselbe gegeben. "Morgens Mehlfladen und abends eine Suppe mit Linsen, Bohnen oder Mais." Zu trinken gab es knapp ein Liter Wasser pro Person und Tag. "Das war an der Grenze des Erträglichen." Zelte hatten sie nicht. "Nachts haben wir uns in den Sand eingegraben, um zu schlafen."