Salomonen-Inseln Experten warnen vor weiteren Beben
Honiara - Obwohl eine Tsunami-Warnung für den Pazifik wenige Stunden nach der Flutwelle wieder aufgehoben wurde, warnten Experten vor weiteren schweren Erdbeben auf den Salomonen. Die "geschichtliche Erfahrung" der letzten Jahre habe gezeigt, dass ein schweres Beben oft innerhalb von Tagen oder Wochen von einem ähnlich schweren gefolgt sei, sagte Kevin McCue vom australischen Erdbebenzentrum.
"Manche Dörfer wurden völlig zerstört", sagte der Vorsitzende des Nationalen Katastrophenrates der Salomonen, Fred Fakari, in der Hauptstadt Honiara. Die bis zu zehn Meter hohe Flutwelle war durch ein Seebeben der Stärke 8,0 ausgelöst worden, das sich rund 40 Kilometer vor der Küste der Stadt Gizo ereignet hatte. Das genaue Ausmaß der Zerstörung war noch unklar, da die Telefonleitungen in die am stärksten betroffenen Gebiete unterbrochen waren.
Medienberichten zufolge trieben zahlreiche Leichen im Meer, die wegen der unruhigen See nicht geborgen werden konnten. Das Beben erschütterte die Salomonen am Morgen um 7.40 Uhr Ortszeit. Berichten zufolge seien um Gizo mehr als 15 Menschen ums Leben gekommen, sagte der Gouverneur der am stärksten betroffenen Provinz Western, Alex Lokopio, dem Rundfunksender Radio Zealand. Über die Lage auf den anderen Inseln könne er derzeit nichts sagen, da die Stromversorung und die Telekommunikation zusammengebrochen sei. Hilfsmittel wie Wasser, Essen und Zelte würden dringend benötigt. Bis zu 4000 Menschen seien auf einen Hügel in Gizo geflüchtet.
Die Stadt ist bei Touristen wegen ihrer paradiesischen Strände und der guten Tauchmöglichkeiten beliebt. Deutsche befanden sich nach Informationen des Auswärtigen Amtes in Berlin nicht vor Ort. In Honiara löste das Beben kurzzeitig Panik aus.
Wie Lokopio weiter mitteilte, wurden die Menschen von der Flutwelle völlig überrascht. Es habe keine Warnung gegeben. Das Meer sei "ganz plötzlich" angeschwollen, und die Menschen an der Küste auf den Hügel im Innern der Insel geflüchtet. Allerdings seien die Erschütterungen durch das Seebeben vor dem Tsunami deutlich spürbar gewesen. Die Flutwelle drang nach Aussagen von Zeugen teilweise bis zu 500 Meter ins Landesinnere vor. In einigen Gebieten erreichte sie nach Behördenangaben bis zu zehn Metern Höhe.
Nach Angaben der lokalen Zeitung "Solomon Star" berichten Anwohner von im Meer treibenden Leichen. Nach Angaben des salomonischen Ministerpräsidenten Manasseh Sogarvare sollen Rettungskräfte des Roten Kreuzes und der Polizei morgen in der betroffenen Region eintreffen und sich ein Bild von der Lage machen. Keine Informationen lagen aus den Gebieten im Epizentrum des Bebens vor, wie der Insel Bougainville oder dem nahe gelegenen Papua-Neuguinea. Im Nordosten Australiens wurden vorübergehend die Strände gesperrt, die südliche Metropole Sydney stellte für einige Stunden den Fährverkehr ein.
Der Tsunami weckt Erinnerungen an die verheerende Flutwelle, die am 26. Dezember 2004 in Südostasien rund 220.000 Menschen in den Tod riss. Durch einen zweiten Tsunami kamen im Juli vergangenen Jahres auf der Insel Java mehr als 600 Menschen ums Leben. Die rund 2600 Kilometer östlich von Australien gelegenen Salomonen zählen etwa 500.000 Einwohner. Der Staat wurde 1978 unabhängig von Großbritannien. Die Salomonen liegen auf dem pazifischen Feuerring, an dem mehrere Kontinentalplatten aufeinander stoßen und durch ständige Bewegungen die Gefahr von Erdbeben erhöhen.
jto/AFP