Sarg-Skandal Das schmutzige Geschäft mit den Toten
Hassfurt - Die Gewinnspanne war offenbar verlockend: Wie Wolfgang Eick, Richter und Pressesprecher am Oberlandesgericht Bamberg, gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte, verkaufte das Bestattungsunternehmen die teuren Särge für 650 Euro, die billigen für 50 bis 100 Euro - Einkaufspreis unbekannt.
Die Staatsanwaltschaft Bamberg hatte Anklage erhoben, nachdem Mitarbeiter des Krematoriums Schweinfurt Verdacht geschöpft hatten. Ein Bediensteter hatte beobachtet, wie die Bestatter aus Königsberg im Landkreis Haßberge mit einem hochwertigen Sarg zur Einäscherung anreisten, dann aber mit ebendiesem Behältnis auch wieder wegfuhren. Zum Umbetten der Leiche hätte das Unternehmerpaar S. in einem Fall einen Raum genutzt, der nur für Anlieferungen während der Nachtstunden vorgesehen sei, hieß es. Die Staatsanwaltschaft erstattete Anzeige wegen Betruges.
Insgesamt habe es sieben Verdachtsfälle auf eine mutwillige Täuschung der Hinterbliebenen gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Weil die Zahl der eingekauften Särge nicht mit der Zahl der Bestattungen übereinstimmte, hätten die Ermittler den Betrug in zwei Fällen nachweisen können.
Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagte die Leiterin des Bestattungsunternehmens, die Vorwürfe der illegalen Umbettungen entbehrten jeder Grundlage. Ihr Stand in der Gemeinde sei unverändert, und die Firma führe weiterhin Bestattungen durch. Der Sprecher des OLG Bamberg erklärte, das Ehepaar habe sich einverstanden erklärt, eine Geldstrafe von je 80 Tagessätzen zu bezahlen. "Strafrechtlich ist die Sache damit für uns erledigt", so Wolfgang Eick.
Dass betroffene Hinterbliebene einen zivilrechtlichen Prozess anstrengen könnten, sei sehr unwahrscheinlich, sagte ein Lokalreporter der "Mainpost" gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Die meisten wissen doch gar nicht, ob ihre Toten umgebettet wurden oder nicht", so der Journalist. Die Stimmung in der Gemeinde sei denkbar schlecht: "Viele Angehörige sind geschockt angesichts des respektlosen Umgangs mit den Toten. Sie fragen sich, ob sie über den Tisch gezogen wurden."
Wie der Reporter berichtet, gelten die Eheleute S. als angesehene Mitglieder der Gemeinde. Die Frau sei Vorsitzende im Obst- und Gartenbauverein sowie Mitglied des evangelischen Kirchenvorstands. Dem Geschäftssinn der Eheleute S. scheint der Eklat um die illegalen Umbettungen keinen Abbruch zu tun. Bereits für den kommenden Samstag sei die nächste Aussegnung mit darauf folgender Feuerbestattung geplant. Das Landratsamt Haßberge überprüfe gleichwohl, ob es ein Gewerbeuntersagungsverfahren gegen das Unternehmen erwirken könne, so der Reporter.