Sarkozy und Bruni Diskrete Trauung im Elysée
Paris - Es herrschen wieder klar-konservative, gutbürgerliche Verhältnisse im Elysée-Palast: Sarkozy, 53, und Bruni, 40, haben ihr medienwirksames Geturtel beendet und Fakten geschaffen. Ein gutes Vierteljahr nach den ersten gemeinsamen Fotos machte das derzeit wohl prominenteste Liebespaar der Welt seine Heiratsankündigungen wahr.
Die politisch bewegende Frage lautet nun: Verhilft die Verbindlichkeit der Eheschließung dem Präsidenten zu einem Comeback in den Umfragen? Scharen von Wählern hatten sich jüngst von Sarkozy abgewandt, ihm allzu viel Fokussierung aufs Private und Triviale zu Lasten der Politik vorgeworfen. Vom "Bling-bling-Präsidenten" war da die Rede. Nun ist Sarkozy, 2007 frisch geschieden, zum Monsieur Blitzhochzeit avanciert.
Im Präsidentenpalast gab man sich am Samstag alle Mühe, die Trauung als Privatsache zu behandeln. "Kein Kommentar", hieß es von einem Sprecher. Selbst nachdem diverse Zeugen - darunter Brunis Mutter Marisa Borini - die Eheschließung längst bestätigt hatten, gab es zunächst keinen offiziellen Kommentar aus dem Elysée-Palast. Erst am Abend bestätigte das Präsidialamt dann in einer knappen Pressemitteilung die Hochzeit und teilte mit, das Paar habe sich in Gegenwart beider Familien am Morgen in sehr kleinem Kreise trauen lassen.
TV-Teams waren nicht zugegen, und auch Fotos gab es nicht von der Zeremonie im ersten Stock des Elysée-Palastes. Erst deutlich später schwelgte ein Augenzeuge, der Bürgermeister des achten Pariser Arrondissements, François Lebel, im Radiosender "Europe 1": "Die Braut trug Weiß, sie war hinreißend, wie immer." Lebel war es, der das Polit-Promi-Paar zu Mann und Frau erklärt hatte. "Der Bräutigam war auch nicht schlecht", fuhr er fort.
Nicht die erste Elysée-Trauung
Neben dem Paar und den Trauzeugen seien auch Familie und Freunde zugegen gewesen. Lebel sprach von einem "Moment der familiären Intimität für die frisch Vermählten", lobte die "große Schlichtheit" der Zeremonie und "die offenkundig große Zuneigung zwischen den beiden Partnern".
Laut RTL Frankreich ist ein für den Nachmittag geplanter Besuch Sarkozys auf einer Militärbasis in Creil kurzfristig abgesagt worden.
Sarkozy und die italienischstämmige Bruni sind seit November zusammen. Nur einen Monat zuvor war die Ehe von Sarkozy und seiner zweiten Frau geschieden worden. Bruni war früher unter anderem mit den Rockstars Eric Clapton und Mick Jagger, dem französischen Politiker Laurent Fabius, dem Schauspieler Vincent Perez sowie dem US-Immobilienunternehmer Donald Trump liiert. Aus einer früheren Beziehung hat sie einen Sohn. Sarkozy hat aus seiner ersten Ehe zwei erwachsene Söhne und einen weiteren Sohn von seiner Ex-Frau Cécilia.
Nicolas Sarkozy ist nicht der erste französische Präsident, der sich während seiner Amtszeit trauen lässt. Am 1. Juni 1931 gab Staatschef Gaston Doumergue zwölf Tage vor dem Ausscheiden aus dem Amt seiner langjährigen Freundin Jeanne Gaussal das Ja-Wort. Getraut wurden beide - so wie jetzt Sarkozy und Carla Bruni - in einem Salon des Elysée-Palastes durch den Bürgermeister des achten Pariser Bezirks. Obwohl der einzige protestantische Präsident Frankreichs die Heirat damals möglichst diskret wollte, sorgte sie für erhebliches Aufsehen.
"Im Präsidentenflugzeug ist viel Platz"
Eine zweite Hochzeit im Amt gab es unter Raymond Poincaré, der von 1913 bis 1920 Frankreichs Präsident war. Der holte aber nur seine kirchliche Trauung mit seiner - wie Bruni - aus Italien stammenden Frau Henriette Adeline Benucci nach. Die bereits zweimal verheiratete Benucci hatte er schon 1904 in einer zivilen Zeremonie in seiner Wohnung geehelicht.
Auch ehemalige Mannequins und Sängerinnen gab es schon an der Seite von Präsidenten: Die Frau von Armand Fallières posierte 1906 noch einen Monat vor dem Einzug in den Elysée in Illustrierten. Und Jeanne Nivoit, die Frau von Staatschef Albert Lebrun (im Amt von 1932 bis 1940), war eine bekannte Sängerin.
Flitterwochen wird es für Carla Sarkozy und ihren Gatten erst einmal nicht geben. Seine nächste offizielle Reise führt den Präsidenten schon am Montag nach Rumänien. Er will dort zusammen mit seinem rumänischen Kollegen Traian Basescu eine bilaterale Erklärung über "strategische Partnerschaft" unterzeichnen. Ob Bruni ihn begleitet, ist noch unklar.
Frankreichs Botschafter in Bukarest sagte, dies sei zunächst nicht geplant gewesen. Doch "im Präsidentenflugzeug ist viel Platz", zitierte ihn der rumänische Sender "Realitatea TV".
itz/hmk/tno/AFP/Reuters/AP/dpa