SARS-Angst: Gerüchte über Abriegelung Pekings - DER SPIEGEL
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SARS-Angst Gerüchte über Abriegelung Pekings

In Peking brodelt die Gerüchteküche: Um die Lungenkrankheit SARS einzudämmen, soll die Regierung drastische Maßnahmen planen. Die gesamte Zwölf-Millionen-Einwohnerstadt soll in den nächsten Tagen unter Quarantäne gestellt werden, munkelt man in den Straßen der Hauptstadt.
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Peking - Die Behörden haben diese Nachricht inzwischen dementiert. Möglicherweise erwägen sie aber, den Zustrom von Wanderarbeitern zu stoppen und Gesundheitskontrollen an den Ein- und Ausfallstraßen und auf den Bahnhöfen einzurichten.

Fluggäste müssen bereits Formulare über ihren Gesundheitszustand ausfüllen. Die Regierung hat jüngst die geplante "Goldene Ferienwoche" um den 1. Mai auf drei Tage gekürzt, damit nicht Millionen Menschen durch das Land reisen.

Fest steht, dass die Unruhe unter der Pekinger Bevölkerung wächst. Viele trauen den offiziellen Nachrichten nicht mehr, nachdem die Regierung bis zum letzten Montag wochenlang versucht hat, das wahre Ausmaß der Infektionen zu verschleiern.

Immer mehr Menschen tragen auf den Straßen und in den Büros Mundschutz. Etliche Bürger stockten am Mittwoch ihre Vorräte an Reis und Nudeln auf. Der sonst hektische Verkehr in der Metropole ist deutlich ruhiger, die Pekinger Barstraße Sanlitun wirkt abends wie ausgestorben. Einige Zeitungen sprechen von einer "Katastrophe".

Grund- und Mittelschulen wurden ab heute für zwei Wochen geschlossen. Betroffen sind 1,7 Millionen Schüler. Auch Universitäten sollen den Unterricht eingeschränkt haben. Viele Hochschüler in Universitäten um Peking unterbrachen ihre Studien, um nach Hause zu fahren.

Lufthansa streicht Flüge

Etliche Ausländer erwägen, die Stadt für einige Zeit zu verlassen, viele haben bereits ihre Familien in die Heimat geschickt. Die Lufthansa hat wegen fehlender Passagiere Flüge nach China gestrichen oder setzt kleinere Maschinen ein.

Die Zahl der an der Atypischen Lungenentzündung erkrankten Menschen steigt unterdessen beständig. Das Pekinger Ditan-Hospital hat heute nicht an SARS erkrankte Patienten in andere Krankenhäuser verlegt, um Platz für mehr SARS-Fälle frei zu machen.

Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind inzwischen 693 Patienten in Peking an SARS erkrankt. Im ganzen Land wurde das Virus bei 2305 Menschen festgestellt. 106 starben. Immer mehr Provinzen sind betroffen, darunter auch Shandong und Hubei. Die Zentralregierung schickt derzeit Inspektoren ins Land, die sich über die Lage informieren sollen.

Das Expertenteam der Weltgesundheitsorganisation WHO prüft unterdessen die Situation in der Millionenmetropole Shanghai. Auch dort vermuten die Bürger, dass die von der Regierung genannte niedrige Zahl von zwei SARS-Patienten nicht der Wahrheit entspricht. Die größte Automesse Chinas im Stadtteil Pudong, die am Montag eröffnet worden war, schließt bereits morgen ihre Tore. Ursprünglich sollte sie zehn Tage dauern. Es seien, sagt ein Aussteller, viel weniger Zuschauer als erwartet gekommen: "Dabei haben wir Millionen investiert."

Das Preisamt von Peking hat mittlerweile die Preise für Masken, Medikamente und Desinfektionsmittel festgesetzt, um Wucherei zu verhindern. In Hangzhou wurden gestern über 30.000 Atemmasken aus dem Verkehr gezogen, weil sie entweder von schlechter Qualität oder nicht desinfiziert waren.

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