SARS: Experten warnen vor globaler Seuche - DER SPIEGEL
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SARS Experten warnen vor globaler Seuche

Unter Experten wächst die Alarmstimmung angesichts der ungebremsten Verbreitung der Lungenkrankheit SARS. Mediziner sprechen erstmals von einer Seuche - und sehen zugleich die Hoffnung schwinden, die Krankheit vor einer weltweiten Ausbreitung noch in den Griff zu bekommen.
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Frankfurt am Main/Shanghai - Nach dem massiven Ausbruch der Lungenkrankheit SARS steht China nach Einschätzung des Frankfurter Virologen Wolfgang Preiser vor einer der größten Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte. "Wenn es China nicht gelingt, diese Krankheit unter Kontrolle zu bringen, gelingt es der Welt nicht mehr", sagte Preiser am Mittwoch in Shanghai.

Der Wissenschaftler, der sich derzeit als Mitglied eines Teams der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Wirtschaftsmetropole befindet, zeichnete ein dramatisches Bild der Krankheit, die sich inzwischen in mehr als 19 Provinzen und Regionen des Landes ausgebreitet hat. "Mit jedem Tag schwindet die Hoffnung, SARS doch noch in den Griff zu bekommen." Es werde sich in allernächster Zeit entscheiden, ob das Virus noch ausgerottet werden könne oder "ob wir für immer mit einem neuen Krankheitsbild leben müssen". Dies wäre dann das erste Mal seit dem Ausbruch von Aids, dass die Welt mit einer völlig neuen Krankheit konfrontiert sei.

Fast alle chinesischen Provinzen müssten mit eingeschleppten Fällen rechnen. Vor allem in den ländlichen, medizinisch völlig unterversorgten Gebieten müsse China alle Ressourcen mobilisieren, um der Krankheit noch Herr zu werden. "Unsere größte Sorge gilt den armen Regionen, in denen das Meldewesen neuer Krankheitsfälle noch nicht funktioniert und die Versorgung nicht gewährleistet ist", sagte Preiser.

Höhepunkt noch nicht erreicht

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) erklärte am Mittwoch in Wiesbaden, bei der neuartigen Lungenentzündung sei der Höhepunkt längst nicht erreicht. Die Mediziner sprachen erstmals von einer Seuche, was bislang vermieden worden war, um keine Ängste zu schüren.

DGIM-Experte Professor Jürgen Meyer sagte, es sei leider damit zu rechnen, "dass wir mit der Epidemie noch nicht durch sind, sondern dass sie sich weiter verbreitet". Bis zum Mittwoch starben weltweit 252 Menschen an SARS, davon 105 allein in Hongkong, 106 im chinesischen Kernland, 17 in Singapur, 15 in Kanada, fünf in Vietnam sowie je zwei in Thailand und Malaysia. Insgesamt gibt es mehr als 4000 Infizierte, die Zahl der in Deutschland Erkrankten gab die DGIM mit unter zehn an.

Schnelltest in Vorbereitung

Ein Schnelltest zur Erkennung der Krankheit ist laut DGIM beim Tropeninstitut in Hamburg und beim Robert-Koch-Institut in Berlin in Vorbereitung. Wann er eingesetzt werden kann, ist noch ungewiss.

Die WHO warnte mit Hinweis auf SARS vor Reisen nach Toronto, Peking und in die chinesische Provinz Shanxi. In diesen drei Gebieten bestehe ein hohes Ansteckungsrisiko, hieß es. Schon zuvor hatte die WHO von Reisen nach Hongkong und in die chinesische Provinz Guangdong abgeraten. Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl ebenfalls die Verschiebung von Reisen nach Hongkong, Peking, Shanxi, Guangdong und Toronto.

Die Lufthansa gab unterdessen die Streichung von sechs wöchentlichen Flügen von München nach Hongkong sowie sieben weiteren von München nach Shanghai bekannt. Als einen der Hauptgründe nannte sie zurückgehende Buchungen aus Angst vor SARS. Die Verbindungen von Frankfurt am Main nach Shanghai und Hongkong bedient die Lufthansa weiter.

In Peking sollten wegen der Lungenkrankheit vom Donnerstag an alle Schulen für zwei Wochen geschlossen bleiben. Tausende Chinesen versuchten, die Stadt zu verlassen. Auf den Flughäfen von Peking und Tokio sollten ab sofort Sensoren die Temperatur der eintreffenden Passagiere messen. Fluggäste mit einer Körpertemperatur von mehr als 37,5 Grad Celsius sollen genauer untersucht werden. Die WHO warnte, SARS könne möglicherweise langfristige Folgen auf die wirtschaftliche Entwicklung in China und dem Rest der Welt haben.

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