Sars Jetzt über 5000 Infizierte in China
Peking - Die Zahl der an der lebensgefährlichen Lungenkrankheit Sars erkrankten Menschen ist in China (ohne Hongkong) um 75 auf 5013 gestiegen. Damit verzeichnen die Behörden den dritten Tag in Folge weniger als hundert Neuinfektionen. Noch in den vergangenen Wochen waren allein in Peking 100 bis 150 neue Fälle an der Tagesordnung. Dort wurden am Montag 48 neue Patienten und damit insgesamt 2304 Fälle registriert.
Insgesamt starben bislang 252 Menschen, teilte das Gesundheitsministerium mit. Um den Behörden im unterentwickelten ländlichen Raum zu helfen, schickte die Weltgesundheitsorganisation WHO Experten in Dörfer mit Wanderarbeitern nahe Peking sowie eine Arbeitsgruppe nach Südchina in die Autonome Region Guangxi.
Dort befürchtet die WHO eine neue Krankheitswelle. "Guangxi ist wegen der Lage besonders anfällig", sagte Sprecherin Mangai Balasegaram. Die Region liegt neben Guangdong, das von der Sars-Seuche schwer getroffen ist. Während der Maifeiertage besuchten Hunderttausende Gastarbeiter aus Guangdong ihre Heimat. "Die Region ist arm und wäre wegen unzureichender medizinischer Versorgung nicht in der Lage, den Sars-Ausbruch zu bewältigen."
Bei einer Inspektionstour in die betroffene Provinz Shanxi forderte der Ministerpräsident Wen Jiabao, dass alle Patienten mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom kostenlos behandelt werden müssten. Dem Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus im ländlichen Raum müsse Vorrang eingeräumt werden. Sorglosigkeit könne "zu großen Verlusten" führen, warnte der Regierungschef nach Angaben der amtlichen Medien.
In Taiwan wurden am Montag acht neue Todesfälle und 23 Neuerkrankungen gemeldet - so viele Neuinfektionen gab es dort seit dem Ausbruch der Seuche vor zwei Monate noch nie. Damit gibt es dort nun 27 Sars-Tote, 207 sind erkrankt.
Weltweit stieg die Zahl der Todesopfer am Montag auf 559. In Hongkong gibt es eine erste Normalisierung: Mit drei neuen Todesfällen und fünf Neuinfektionen lagen die Zahlen am neunten Tag in Folge im einstelligen Bereich. Noch werden aber rund 400 Sars-Kranke behandelt. Nach sechswöchigen Zwangsferien kehrten 250.000 Schüler zurück in den Unterricht. Sie müssen Masken tragen und täglich ihre Temperatur messen.
Die Asiatische Entwicklungsbank veröffentlichte am Montag einen Plan, um den von der Seuche betroffenen Ländern bei der Bewältigung der ökonomischen Schäden zu helfen. 27 Millionen US-Dollar (23,5 Millionen Euro) sollen in Darlehen und Krediten ausgegeben werden.
Der Schweizer Pharmakonzern Hoffmann-La Roche meldete unterdessen, bis Ende Juli einen Schnelltest zur Diagnose von Sars bereitzustellen. Auf der Grundlage eines Standardverfahrens werde genetisches Material, das allein bei dem Virus auftritt, aufgespürt und zur besseren Identifizierung in großen Mengen vervielfältigt, erklärte Franz Walt, Verwaltungsdirektor einer Niederlassung des Pharmakonzerns in Singapur. Bereits nach einer Stunde soll das Ergebnis vorliegen. Dadurch könnten Ärzte schnell entscheiden, ob ein Patient unter Quarantäne gestellt werden muss.