SARS: Quarantäne in China reicht nicht - DER SPIEGEL
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SARS Quarantäne in China reicht nicht

In China nimmt die Ausbreitung von SARS dramatisch zu. Die Hoffnung, dass sich die lebensgefährliche Lungenkrankheit durch Quarantänemaßnahmen eindämmen lässt, schwindet zunehmend. Möglicherweise ist für immer mit Einschleppungen in andere Länder zu rechnen.
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Peking/Berlin - Diese düstere Einschätzung gab der deutsche Virologe Wolfgang Preiser gegenüber dem Fernsehsender n-tv ab. "Der Schlüssel für die weitere Entwicklung liegt in China." Die Zahl der SARS-Fälle dort stieg weiter an. Am Samstag berichteten die chinesischen Behörden von 181 neuen Erkrankungen, 9 weitere Menschen starben an dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom (SARS).

Neuerdings Alarm schlug die Weltgesundheitsorganisation WHO in Hongkong: Dort wurden am Samstag mehrere Fälle bekannt, bei denen SARS-Patienten Rückfälle erlitten, nachdem sie die Krankenhäuser als geheilt verlassen hatten. WHO-Mitarbeiter David Heymann sagte, die Rückfälle könnten auf eine Behandlung mit Steroiden (Hormonen) zurückzuführen sein. Eventuell sei die Therapie zu früh abgebrochen worden. Einige Wissenschaftler halten die Therapie in Kombination mit Ribavarin für zu aggressiv. Diese Behandlungsmethode könnte ein Grund dafür sein, dass es in Hongkong zu einer relativ hohen Sterblichkeitsrate von mehr als elf Prozent gekommen ist.

"In der Millionenmetropole Peking hat es im Kampf gegen SARS zunächst bedauerliche Verzögerungen und dadurch einen starken Anstieg der Infiziertenzahlen gegeben", sagte Preiser (Universitätsklinik Frankfurt), der zum WHO-Expertenteam gehört und deshalb zu Beginn der Infektionswelle in China war. "Wir wissen, dass es in einigen chinesischen Provinzen, die wirtschaftlich rückständiger sind, erhebliche Probleme gibt. Es liegen von dort keine Zahlen vor, was aber nicht heißt, dass es keine Fälle gibt. Dort gibt es sicherlich SARS-Fälle, die einfach nicht erfasst oder gemeldet werden."

Große Sorge um Südasien und Afrika

Laut Preiser müsse man auch in Deutschland mit "sporadischen Einschleppungen" und mit weiteren Infektionen rechnen, Europa sei jedoch "gut vorbereitet": "Ich glaube nicht, dass es zu einer größeren SARS-Ausbreitung in Europa kommt. In den Industrieländern haben wir alle Möglichkeiten, der Lage Herr zu werden", sagte Preiser. "Wir haben aber die Furcht, wenn schon innerhalb Chinas so gewaltige Probleme mit SARS auftreten, wie es erst sein würde, falls das Virus in afrikanischen oder südasiatischen Ländern auftaucht, wo das Gesundheitswesen sicherlich der Lage nicht gewachsen sein wird." Man vermute, dass der Erreger aus dem Tierreich stamme, was eventuell eine dauerhafte Neuinfizierung von Menschen zur Folge haben könnte.

Nach Recherchen des SPIEGEL könnte durch die jahrelangen Vorarbeiten deutscher Wissenschaftler die Entwicklung eines Medikaments gegen den SARS-Erreger erheblich beschleunigt werden. Verschiedene Wissenschaftler aus Würzburg und Lübeck hätten das humane Coronavirus 229E, das beim Menschen Schnupfen auslöst, eingehend erforscht und seien dabei, erste Hemmstoffe zu testen, berichtet der SPIEGEL in seiner jüngsten Ausgabe. Auch der SARS-Erreger wurde als neues Corona-Virus identifiziert.

Die Gesamtzahl der Infizierten in China stieg bis Samstag auf 3971, die der Toten auf 190. In Hongkong sind 179 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben. In einer Medizinuniversität in der chinesischen Provinz Shanxi wurden 9000 Menschen unter Quarantäne gestellt. Experten werteten dies als Hinweis, dass sich SARS im Norden Chinas ausbreitet. In Peking wurden 114 neue Fälle erfasst. Bereits am Freitag war beim Chemie-Konzern BASF der erste SARS-Fall in einem deutschen Unternehmen bekannt geworden. Eine chinesische Mitarbeiterin des Hongkonger BASF-Büros erkrankte Anfang April an der Lungenseuche, hat sich aber inzwischen erholt.

Die Lufthansa leidet weiter an den wirtschaftlichen Folgen durch SARS. "Wir verlieren pro Woche durch SARS und die schwache Konjunktur 55 Millionen Euro", sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Lufthansa habe die Zahl ihrer Flüge von Deutschland nach Shanghai und Peking von 28 auf 14 pro Woche halbiert.

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