Schatzfund Nazi-Goldkessel im Chiemsee
Seebruck - Eher durch Zufall machte ein Taucher bereits im September des vergangenen Jahres die kostbare Entdeckung. Anfangs hielt er das schimmernde Etwas für einen Lampenschirm. Doch als er im Morast zugriff, fühlte er die Relief-Darstellung. Der Wert des Fundes wurde inzwischen durch Experten bestätigt. Der Kessel sei aus zehn reingoldenen Einzelplatten gefertigt, teilten Wissenschaftler der Archäologischen Staatssammlung in München mit. Die Untersuchung des Kessels habe ergeben, dass er aus dem Dritten Reich stamme, erklärte Ludwig Wamser von der Staatssammlung.
Der 30 Zentimeter hohe Kessel hat einen Durchmesser von einem halben Meter. Auf der Innen- und Außenwand ist eine etwa 22 Zentimeter hohe Relief-Darstellung zu sehen. Die Illustrationen stellen keltisch-indogermanischer Menschen- und Tieropferkulte dar, sagte Wamser. Die Motive ähneln denen auf einem Silberkessel, der 1891 im Moor von Gundestrup im dänischen Jütland gefunden worden war. Auch in der Ideologie der Nazis spielten unterschiedliche Mythen und alte Naturreligionen eine wichtige Rolle.
Unklar ist, wem der Behälter aus 18-karätigem Gold mit einem Materialwert von 100.000 Euro gehört. Eigentümer des Chiemsees ist der Freistaat Bayern. Nach Angaben der zuständigen Finanzministeriums wird geprüft, ob es sich bei dem Goldkessel um einen Schatzfund handelt. Dann würde die Schale je zur Hälfte dem Taucher und dem Freistaat gehören. Wenn sich aber heraus stellen sollte, dass es sich um Nazi-Gold handelt, wäre der Freistaat Bayern nach alliiertem Recht alleiniger Eigentümer der Fundsache. Dem Taucher stünde lediglich ein Finderlohn zu.