Scheidungsverhandlung: Es geht nur noch um Details - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Scheidungsverhandlung Es geht nur noch um Details

Bis spät in die Nacht hinein wurde in Miami verhandelt. Grundsätzlich ist man sich auch einig. Doch jetzt kämpfen die Anwälte ihre Spielchen aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Miami - Boris und Barbara Becker haben sich in den vergangenen Tagen oft gesehen. Dann saßen sie zusammen und redeten über die Zeit nach der Scheidung. Darüber, wie sie mit den Söhnen umgehen wollen. Und, so sagen zumindest Vertraute des Noch-Ehepaares, man sei sich "absolut" einig, dass man die Sache nun "schnell zu Ende" bringen müsse. "Die beiden reden wie normale Partner miteinander und das schon seit Tagen", sagt ein Freund von Boris Becker. Die Zeit von lauten Streitereien oder gar Ohrfeigen wie in den vergangenen Wochen sei vorbei. Trotzdem steht eine endgültige Einigung bisher aus.

Ein erstes Papier haben die Juristen des Ex-Tennisstars bereits aufgesetzt. Darin wird eine wesentlich höhere Abfindung für Barbara Becker vereinbart. Über die Höhe schweigen sich bisher alle aus, da dies der ausdrückliche Wunsch des Paares sei. Barbara und Boris Becker teilen sich das Sorgerecht um die Kinder, sie bleiben aber bei Barbara Becker, vermutlich vorerst auf Fisher Island in Miami. Allerdings bekommt Boris Becker ein ausgedehntes Besuchsrecht, das gemeinsame Urlaube einschließt. "Beide wollen sich um die Kinder kümmern", so ein Becker-Berater.

Burstyn zieht die Verhandlungen in die Länge

Grundsätzlich sei dies alles klar, berichten Freunde. Trotzdem sei die rechtliche Abwicklung schwierig, und das liege nicht nur an Übersetzungsproblemen oder Unterschieden in den verschiedenen Rechtssystemen in den USA und Deutschland. Erst mal war Barbara Beckers Anwalt, Samuel Burstyn, für Detailverhandlungen am Wochenende nicht zu erreichen. So beriet das Ex-Paar oft allein oder mit anderen Beratern. Burstyn kam erst wieder am Sonntagabend dazu.

Obwohl dann in aller Schnelle eine erste Einigung erreicht werden konnte, merkten Beobachter am Montag im Gerichtssaal auf. Denn nach der gemeinsamen Erklärung der gegnerischen Anwälte, man wolle die Verhandlung wegen der bevorstehenden außergerichtlichen Einigung vertagen, begann Burstyn erneut mit Sticheleien über das Verfahren. Es ging darum, ob bei einer Fortsetzung vor Gericht zuerst Boris Beckers Klage auf die Rückführung der Kinder verhandelt wird oder erst mal die Zuständigkeit des amerikanischen Gerichts auf der Tagesordnung steht. Sofort wiedersprach Burstyn seinem Kontrahenten Robert Kohlman und diskutierte mit dem Richter. "Mit seinen Sticheleien zeigte Burstyn erneut seine Machtposition in dem Verfahren und drohte uns", sagt ein Berater von Boris Becker.

Langwierige Detailerörterungen

Ähnlich stellt sich die Lage offenbar bei den internen Beratungen dar. Burstyn versucht über Detailfragen die Gespräche in die Länge zu ziehen und am Ende immer etwas mehr Geld für seine Mandantin, natürlich aber auch für sich selbst, rauszuholen. Immer wieder bricht er die Beratungen ab und setzt Einzelgespräche an. Beckers Team wird dadurch verunsichert, da "man nie weiß, was er als Nächstes ausbrütet", so einer von Boris Beckers Beratern. "Die Taktik aus der ersten Verhandlung vor Gericht setzt sich fort", bilanziert er.

Knifflige rechtliche Situationen gibt es trotzdem noch, da alle Anträge, die das Ehepaar Becker in Miami eingereicht hat, zurückgenommen werden müssen. Nicht nur die Sorgerechtsklage, sondern auch mehrere Eilanträge beider Seiten müssen annulliert werden. Insgesamt schon ein dicker Ordner mit Papieren. Auch die Klage auf Rückführung der Kinder von Boris Becker beim deutschen Generalbundesanwalt gehört dazu.

Einigung für heute erwartet

Die Gespräche gehen heute ab dem Morgen (ca. 15 Uhr MEZ) weiter. Da man gestern Abend nur noch an Details des Vertrages feilte, wird heute mit einer Unterschrift von Barbara Becker gerechnet. Die Scheidung selbst wird dann vermutlich in München verhandelt, wenn die finanziellen Details der Trennung in Miami geklärt sind. Im Fall Becker gegen Becker ist dies aber nur noch eine Formsache.