Scherzartikel Bin Laden wisch und weg
Hamburg - Kaffeetassen, Golfbälle, Videospiele und Baseballkappen - der Terroristenchef Osama Bin Laden ist allgegenwärtig. Längst ist er zur Zielscheibe von Hass und Spott geworden. Mit Computerspielen kann man ihn jagen und töten. Als Aufdruck auf Toilettenpapier kann man ihn in der Kanalisation versenken. Kaum hat sich der erste Schock gelegt, beginnt in den USA der Run auf die wirtschaftliche Verwertung des Schreckens.
Chuck Franks Vermarktungsidee entsprang nach eigenen Angaben einer doppelten Motivation: Frustration und Wut. Gemeinsam mit einem Freund überlegte er, wie man den Angehörigen der Opfer der Terroranschläge vom 11. September helfen könne. Es galt, "ihre Trauer mit Fassung und Humor zu tragen", sagt der Mitbegründer der kleinen Firma America Wins im US-Bundesstaat Michigan. "Dabei entstand die Idee, Bin Laden auf Toilettenpapier abzubilden, denn dahin gehört er. Wir wollten, im Gegensatz zu anderen T-Shirt-Herstellern, dass Bin Laden geschockt und ängstlich aus der Wäsche guckt." Ob dies gelungen ist, muss jeder Leser auf deren Website entscheiden.
Aber nicht nur in den USA haben Katastrophen-Souvenirs Hochkonjunktur. Auf der zehnten internationalen Kinderspielzeugmesse in Hongkong ist ein Hersteller auf die Idee gekommen, ein Osama-Bin-Laden-Plastikmännchen zu konstruieren, das man in der Hand wie ein Quietsche-Entchen kneten kann - vermutlich ideal zum Abbau von Aggressionen. An einem anderen Stand liegen sich Bin Laden und US-Präsident George W. Bush sogar in den Armen. Doch hinter deren Masken verbergen sich lediglich gewöhnliche Messebesucher.
Absolutes Gewinnstreben
"Katastrophen mit Symbolwert sind als Vermarktungsmöglichkeit schon immer beliebt gewesen", sagt Markus Breuer vom Institut für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. Die Menschen, die Katastrophensouvenirs verkaufen, seien Trittbrettfahrer, die kurzfristig vorhandene Stimmungen in der Bevölkerung ausnutzten. Einige strebten "ohne Pietät nach absoluter Gewinnmaximierung", fügt Breuer hinzu. Teile vom World Trade Center zu verhökern, bevor überhaupt alle Leichen geborgen sind, sei schlichtweg schamlos.
Auf eine andere Idee kam ein tschechischer Puppenschnitzer: Er wollte auf seine Weise gegen den weltweiten Terrorismus vorgehen: Er schnitzte eine Marionette des Terroristenführers und schenkte sie dem US-Botschafter in Prag "als Zeichen persönlichen Beistands". Ein Botschaftsmitarbeiter wies die Offerte allerdings ab. Die Begründung: Fremdkörper dürften aus Sicherheitsgründen nicht in das Gebäude. Der Künstler will die Puppe nun in ein Restaurant der nordböhmischen Stadt Usti nad Labem (Aussig) hängen.