Schießerei in New Yorks Rathaus "Ein Anschlag auf alle Amerikaner"
New York - Im Rathaus begann gerade die Sitzung des Stadtrates, da zog ein Mann auf der Besuchergalerie plötzlich eine Waffe und eröffnete das Feuer. Vor Dutzenden Rathausbesuchern und Mitgliedern des Stadtrates brach der Abgeordnete James Davis vom mehreren Kugeln getroffen zusammen. Ein Polizist erschoss daraufhin den Attentäter.
Der Schütze, der 31-jährige Othniel Askew, hatte die Waffe in das gut gesicherte Gebäude schmuggeln können, weil er gemeinsam mit seinem späteren Opfer das Rathaus betreten hatte - und so die Waffenkontrollen umgehen konnte.
In New York war nach den Schüssen im Rathaus zunächst der Alarm für mögliche Terrorangriffe ausgelöst worden. Zwei Brücken und alle Straßen in der Nähe des Rathauses wurden gesperrt. Das Rathaus liegt nur wenige Gehminuten von Ground Zero, dem ehemaligen Standort des zerstörten World Trade Centers entfernt. Der Verkehr im Süden von Manhattan kam für etwa eine Stunde zum Stillstand.
Askew hatte sich als Kandidat für bevorstehende Stadtratswahlen einschreiben lassen, bei denen er gegen Davis antreten wollte. Davis, ein afroamerikanische Abgeordneter, war früher Polizist. Als Politiker hatte er sich ebenso gegen Polizeibrutalität wie gegen die Gewaltkriminalität in New York engagiert.
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, es habe sich nicht um einen Terroranschlag gehandelt, aber es sei ein "Angriff auf die Demokratie" und "ein Anschlag auf alle Amerikaner". Es scheine "eine willkürliche Gewalttat" zu sein. Der Tod des Abgeordneten sei eine "große Tragödie" für die Stadt.
Bloomberg, der sich zum Zeitpunkt der Schüsse in seinem Büro im ersten Geschoss des Rathauses aufhielt und unverletzt blieb, ordnete eine Verschärfung der Waffenkontrollen im Rathaus an. "Künftig geht hier jeder durch die Metalldetektoren, auch ich", sagte er. Bislang waren Abgeordnete von den Kontrollen ausgenommen.
Hunderte Rathausmitarbeiter und Besucher hatten sich während des Schusswechsels fluchtartig in Sicherheit gebracht. Ein Augenzeuge sprach von "chaotischen Zuständen".
Der Abgeordnete Charles Bearan beschrieb die Situation so: "Ich hörte fünf bis sieben Schüsse. Und ich schaute hoch auf den Balkon und sah den Schützen." Zuerst habe er die Schießerei für nicht echt gehalten, weil niemand verletzt schien, sagte Bearan weiter. "Aber dann erkannte ich, dass er auf jemanden schoss, der bereits auf dem Boden lag."