Schiffskatastrophe vor Santorin U-Boot soll Vermisste suchen
Athen - Bislang müssen sich der Kapitän der gesunkenen "Sea Diamond" und fünf Kollegen seiner Crew wegen Fahrlässigkeit, Nichteinhaltung zahlreicher Navigationsbestimmungen und der Verletzung internationaler Seefahrer-Regeln verantworten. Bei diesen "minderen Delikten" drohen ihnen im Falle eines Schuldspruchs eher Geld- als Haftstrafen.
Allerdings kann die Anklageschrift verlängert werden: Sollten die zwei noch vermissten französischen Kreuzfahrt-Touristen nicht gefunden werden, drohe eine Ausweitung der Klage gegen den Kapitän und vielleicht auch gegen weitere Besatzungsmitglieder, berichtete der griechische Rundfunk. Bis heute fehlte noch immer jede Spur von dem 45-jährigen Franzosen und seiner 16-jährigen Tochter. Bereits am Sonnabend hieß es, dass es eigentlich keine Chance gebe, die Vermissten lebend zu finden.
"Taucher sind vor Ort. Doch die können das Wrack nicht erreichen, weil es zu tief liegt", sagte heute ein Offizier der Küstenwache. Der Bug der "Sea Diamond" liegt Schätzungen zufolge in einer Tiefe von 70 Metern, das Heck etwa 170 Meter tief. Am morgigen Dienstag soll ein Spezial-U-Boot aus Piräus nach den zwei Vermissten suchen.
Die 143 Meter lange, 25 Meter breite und 22.400 Tonnen schwere "Sea Diamond" war am Montag vor einer Woche von Piräus zu einer fünftägigen Kreuzfahrt zu den griechischen Inseln aufgebrochen und hätte dort am Freitag wieder anlegen sollen. In der Nacht zum Freitag allerdings lief das Schiff mit 1156 Gästen und 391 Besatzungsmitgliedern an Bord in unmittelbarer Nähe der Kykladen-Insel auf Grund. Wasser drang in das Kreuzfahrtschiff ein. Fast alle Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten unversehrt auf umliegende Boote umsteigen. Die "Sea Diamond" bekam schließlich immer größere Schlagseite und ging im Morgengrauen unter.
Nach dem dreistündigen Evakuierungs-Manöver erzählten viele Gerettete . Außerdem herrschte Rätselraten über die Unglücksursache. "Das Riff ist allen Seeleuten bekannt. Ich kann es nicht erklären", sagte ein Offizier der Küstenwache. Die Besatzung sei erfahren und steuere zwei Mal in der Woche die Bucht Santorins an, hieß es von der Betreibergesellschaft.
Einen Tag nach der Katastrophe übernahm der Kapitän "voll und ganz" die Verantwortung für das Schiffsunglück. Starke Strömungen hätten das Schiff vom Kurs abgebracht, er habe die Kollision mit dem Riff nicht mehr verhindern können.
Mittlerweile sind die sechs Angeklagten wieder auf freiem Fuß. Der Staatsanwalt hatte die Männer unter der Bedingung freigelassen, dass sie das Land nicht verlassen. Ein Termin für das Verfahren wurde noch nicht genannt. Die Behörden wollen die Männer in den kommenden Tagen erneut befragen.
fba/dpa/Reuters