Schlammlawinen: Schon zwölf Tote - DER SPIEGEL
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Schlammlawinen Schon zwölf Tote

Die Flutkatastrophe auf einem süditalienischen Campingplatz nimmt immer dramatischere Ausmaße an. Mittlerweile wurden schon zwölf Tote geborgen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rom - Die Behörden in Soverato im Süden Kalabriens teilten am Morgen mit, zuletzt seien zwei weibliche Leichen unter einer Schlamm- und Gerölldecke gefunden worden. Innenminister Enzo Bianco sagte beim Besuch des Unglücksortes bei Soverato, fünf Menschen würden noch vermisst und mehr als 40 seien verletzt worden. Nach Angaben der Rettungsmannschaften waren unter den Toten Mitglieder einer Behindertengruppe. Der Campinglatz "Le Giare" war am Sonntagmorgen von einem Sturm verwüstet worden. Der nahe Beltrami-Fluss war nach tagelangem Regen über die Ufer getreten und hatte den Platz überflutet.

Ein Betreuer der Behindertengruppe sagte, sie hätten eine Lawine aus Schlamm und Wasser vor sich gesehen und nicht einmal mehr Zeit zum Nachdenken gehabt. Sie hätten nicht gewusst, ob sie andere retten oder besser sich selbst in Sicherheit bringen sollten. Ein 17-Jähriger, der mit seiner Mutter und seinem behinderten Vater unterwegs war, wurde selbst unter den Schlammmassen begraben, nachdem er seine Eltern gerettet hatte. Rettungsmannschaften bargen die Leiche des Jugendlichen aus einem Gewirr aus Ästen und Müll.

Bereits seit Tagen hatte es in der Region an der Südspitze Italiens heftig geregnet. Straßen, Bahnstrecken und zahlreiche Häuser wurden dadurch beschädigt. Fernsehbilder zeigten Bewohner der Region, die durch knöchelhohes Wasser wateten. Möbelstücke waren in den Straßen aufgestapelt.

Umweltschützer kritisierten, das Unglück sei absehbar gewesen. Sie machen die Abholzung in den Bergen, die wilde Bebauung und schlechte Kanalisation für die Überflutungen verantwortlich. Innenminister Bianco überbrachte das Beileid von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi und kündigte Ermittlungen zum Unglück an. Einen Campingplatz in derartigem Zustand und in dem Gebiet hätte es nicht geben dürfen, sagte Bianco. Mit dem Unglück will sich auch die Regierung in Rom befassen. "Um die Verantwortung zu klären, ermitteln die Richter", sagte Bianco. Den Zeltplatz gibt es seit 40 Jahren. Der Minister für öffentliche Arbeiten, Nerio Nesi, wies auf das zunehmende wilde Bauen in Süditalien hin. Dadurch würden Bodenerosion und Überflutungen gefördert.

Es gab auch Kritik, wonach der Zivilschutz zu spät eingegriffen haben soll. Nach den tagelangen Regenfällen in Kalabrien hätten die Camper gewarnt werden müssen.